Sebastian Marburger war einer der erfolgreichsten Deutschen bei diesen Winterspielen: Der 28-Jährige vom SK Wunderthausen, der in Bad Berleburg wohnt, hat im Klassik-Sprint Silber gewonnen und mit der offenen Para Skilanglauf-Staffel ebenfalls Rang zwei belegt. Die Tage vor den Spielen hatte er mit einer hartnäckigen Grippe zu kämpfen. Das sorgte auch dafür, dass er auf Medaillenkurs liegend über 10 Kilometer aussteigen musste.
„Da ging gar nichts mehr, das hat mir körperlich alles abverlangt“, sagte er nach dem Staffel-Rennen und zog Bilanz nach seinen zwei Silbermedaillen beim Paralympics-Debüt. Hätte ihm vorher jemand gesagt, dass er so erfolgreich sei auf den Loipen in Tesero, hätte er entgegnet: „Du hast sie nicht mehr alle.“
Kathrin Marchand ist nach zwei Olympia-Teilnahmen im Rudern jetzt auch die erste Frau weltweit, die an Sommer- und Winter-Paralympics teilgenommen hat. Mit Platz vier im Klassik-Sprint verpasste sie die Medaille nur um 1,9 Sekunden, sagte: „Mir ist schon bewusst, was das für eine Leistung war und dass das schon auch krass ist, nach 14 Monaten jetzt Vierte zu werden – aber der vierte Platz ist einfach immer ärgerlich. Das ist einfach schade, aber ich weiß für mich, was ich geleistet habe und bin super stolz darauf.“ Über zehn Kilometer musste sie wie Marburger aussteigen, über 20 Kilometer in der für sie schwächeren Skating-Technik belegte sie zum Paralympics-Ende Rang zehn.
Ihr Comeback feierte auch die deutsche Para Eishockey-Nationalmannschaft 20 Jahre nach der letzten Paralympics-Teilnahme in Turin. Mit dabei: Fünf Spieler der Wiehl Penguins, namentlich Ingo Kuhli-Lauenstein, Jano Bußmann, Sven Stumpe, Marcel Malchin und Christian Jaster. Am Ende stand ein sechster Platz. Zudem bejubelte Jano Bußmann in der Vorrunde gegen Italien das erste deutsche Paralympics-Tor seit 20 Jahren, der erste Sieg bei der Rückkehr auf die große Bühne gegen die Slowakei folgte im wichtigen Überkreuzspiel, zum Abschluss gab es ein Duell um Rang fünf vor 6000 Zuschauern gegen Gastgeber Italien – und ganz viel Werbung für den Para Eishockey-Sport. „Wir wollen das als Vorgeschmack und Motivation mitnehmen, damit wir in vier Jahren wieder dabei sind. Wir werden alles geben, damit uns das gelingt“, sagt Ingo-Kuhli Lauenstein.
Jeremias Wilke von der SG Ennepetal war im Para Ski alpin als Guide des sehbehinderten Skifahrers Alexander Rauen dabei. Nach drei elften Plätzen im Super G, in der Super-Kombination und im Riesenslalom gab es am letzten Tag der Spiele Rang neun im Slalom und Wilke war begeistert von der Paralympics-Premiere: „Es war geil, es zeigt, wohin es gehen kann, die Stimmung ist mega. In vier Jahren wird es noch besser.“ Besonders schön aus NRW-Sicht: Rauens sportliche Karriere nahm beim Ski-Treff in Winterberg ihren Anfang – heute startet er gemeinsam mit seinem Guide aus NRW bei den Paralympics.
„Es ist schön zu sehen, dass NRW auch im Wintersport auf der paralympischen Landkarte so stark vertreten ist“, sagt Michael Nordhaus, Geschäftsführer des Behinderten- und Rehabilitationssportverband NRW: „Wir möchte in den kommenden Jahren dafür sorgen, dass noch mehr Kinder und Jugendliche zum Para Sport finden.“