Keine Ausreden. Ich muss mir eingestehen: Ich habe versagt. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern auf ganzer Linie.
Ich finde Fußball ist ein faszinierender Sport und in meiner Jugend und Studentenzeit habe gerne auch mal ein bisschen gekickt. Und ehrlich! Im Sportstudium habe ich meinen Schein im Fußball bei Erich Rutemöller gemacht und eine Einladung zum Probetraining beim 1. FC KÖLN!!! erhalten. Aber ich bin und war eigentlich immer eher dem Wassersport zugetan. Meine Verbindung zum Fußball beschränkt sich auf Tippen bei Sven Pistor und Bundesliga gucken. Aber wenn ein anderes interessantes Spiel gezeigt wird, schalte ich auch gerne mal ein. Es besteht also noch eine gewisse Affinität zum Fußball.
Trotzdem war mein fester Vorsatz: Ich gucke mir kein Spiel dieser Fußball-WM an!
Wie gesagt, nicht aus Desinteresse am Fußball, sondern weil mir dieses kommerzialisierte Spektakel schon im Vorfeld gegen den Strich gegangen ist. Angefangen mit der Vergrößerung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Teams über das Einführen von Werbe-Trinkpausen, Schikanen bei der Einreise von Fans und gesetzter Schiedsrichter und sogar des iranischen Teams und Ticketpreisen, die sich ein „Normalo“ nicht leisten kann.
Kritik, kommerzielle Interessen über Faninteressen zu stellen, prallte an der FIFA ab.
Für die Hin- und Rückfahrt mit dem Zug zu den Spielen im Stadion in New Jersey weit außerhalb von New York mussten 150 US-Dollar auf den Tisch gelegt werden. Der Normalpreis beträgt 12,90 Dollar. Wer lieber mit dem Auto als mit dem Zug zum Stadion wollte, musste etwa bei Deutschland gegen Ecuador 225 US-Dollar für einen Parkschein bezahlen.
Mein Entschluss stand also felsenfest: Ich werde meinen persönlichen Boykott durchziehen!
Der hielt bis zum 14.6. irgendwann zwischen 19.00 und 19.30 Uhr, als meine Frau mir ein WhatsApp geschickte: „Tooor für Deutschland“! Das war’s dann mit dem Boykottieren der größten WM aller Zeiten.
Die Fußball-Weltmeisterschaft ist für mich längst zum Geschäftsmodell des Weltkonzerns namens FIFA verkommen und Fußball ist nur noch der „Rohstoff“, der möglichst teuer verkauft werden soll und werden kann (trifft aber auch auf andere internationale Sportevents zu!). Die Leidenschaft von Milliarden Menschen wird in klingende Münze verwandelt. Je größer die Fangemeinschaft desto größer die Werbeerlöse und desto teurer werden die Fernsehrechte. Am Ende steht ein Milliardengewinn im zweistelligen Bereich für die FIFA. Die Funktionäre klopfen sich gegenseitig auf die Schultern und preisen den Fußball, den sie selbst zur Nebensache degradiert haben.
Gianni Infantino und Donald Trump inszenierten sich bei der WM wie Monarchen und sonnten sich mit Hingabe. Donald Trump genoss seinen Auftritt trotz Buh-Rufen und wollte bei der Siegerehrung sogar mit auf das Mannschaftsfoto der siegreichen Spanier.
Die Zeiten, in denen der Sport weitgehend unpolitisch und die schönste Nebensache der Welt war, sind schon lange vorbei. Werte wie Fairness, Frieden und Völkerverständigung haben nur Bestand solange sie den Geschäften nicht im Wege stehen.
Ich fand meinen Plan gut. Es hätten nur ein paar Milliarden Zuschauer auch so denken müssen wie ich und natürlich konsequenter sein, dann hätten wir vielleicht das Ursprüngliche am Fußball wiederbeleben können. Ohne Halbzeitshows mit irgendwelchen Superstars wie beim Superbowl und aus meiner Sicht überflüssig wie ein Kropf.
Dieses Jahr habe ich versagt, aber wenn Infantino das Teilnehmerfeld noch einmal vergrößert dann mache ich in vier Jahren einen neuen Anlauf! Ich hoffe auf Ihre Unterstützung!
Ihr
Andreas Geist
P.S.: Mit diesem Lied der Kölner Band „Köbes Underground“, das schon zur WM in Katar geschrieben wurde, habe ich mich über meinen Misserfolg hinweg getröstet! LINK zu Youtube