er Herbst hat viele positive Seiten. Es ist nicht mehr so heiß und trocken, dafür schön bunt, zumindest wenn das Wetter klar und sonnig ist. Es ist die Zeit der deftigen Gerichte und für jemanden, der gerne kocht und isst - wie mich - eine herrlich abwechslungsreiche Jahreszeit. Ok, die leichte Sommerküche mit viel Salat und Grünzeug hat auch was, aber so ein knusprig gebratenes Federvieh zur Martinszeit mit Knödeln und Rotkohl… Oder ein klassischer Braten wie früher bei Muttern - mmh!
Auch für einen Menschen im Herbst seines Lebens bietet diese Jahreszeit noch viel Positives und Gutes. Es zwickt und zwackt zwar in den verschiedensten Regionen des Körpers, der Zahnarzt erstellt teure Behandlungspläne, bei denen die letzten Haare zu Berge stehen. Aber man ist mit den Jahren gelassener geworden und braucht sich nicht mehr abhetzen, ärgern oder gar aufregen. Man hat genug Zeit alles in Ruhe zu betrachten und sich zu wundern, was in der Welt so alles passiert, im Positiven wie im Negativen. Die Friedensbemühungen in Nahost oder im Krieg zwischen der Ukraine und Russland machen sogar Hoffnung auf bessere und friedlichere Zeiten, auch wenn sie von einem Clown initiiert werden, der ganz Amerika bereits in einen Zirkus verwandelt hat.
Aber man sieht: Wenn sich jemand ernsthaft um eine Sache bemüht und sich engagiert, dann ändert sich auch was. Wie nachhaltig und dauerhaft das Ergebnis sein wird, zeigt sich noch, aber immerhin ist erstmal „Action“ drin.
Auch in Europa! Keiner kann mehr behaupten, die PolitikerInnen würden sich nicht intensiv um das Wohlergehen und um die echten Probleme der BürgerInnen kümmern! Unsere Abgeordneten im Europäischen Parlament in Straßburg zum Beispiel. Die mussten vor Kurzen über einen an Dringlichkeit kaum zu übertreffenden Antrag der konservativen EVP-Fraktion (das sind die konservativen Parteien in Europa, zu denen auch die CDU/CSU gehört) abstimmen, der eine ernsthafte Gefahr für die Verbraucher abwenden soll. Die Verwechslungsgefahr!
Nein, es geht nicht um Champignons und Knollenblätterpilze, auch nicht um Kölsch oder Pils, die ja beide Bier heißen dürfen. Es geht um vegane Lebensmittel, die der (für die EVP-Leute offenbar) unterbelichtete EU-Bürger ja mit Würsten, Schnitzeln, Hackfleisch und anderen Produkten aus echtem tierischem Fleisch verwechseln könnte. Da ist Gefahr im Verzug! Stellen Sie sich vor, Sie haben im Supermarkt nicht aufmerksam genug hingeschaut und versehentlich eine „Tofuwurst“ statt eines Bratwürstchens von der Fleischtheke gekauft oder ein Sojaschnitzel statt eines Schweine- oder Kalbsschnitzels. Wenn Sie es dann auch noch verzehrt haben: Lassen Sie sich unmittelbar den Magen auspumpen oder trinken Sie lauwarme Salzlösung um ein heftiges Erbrechen herbei zu führen!
So eine Verwechslung darf niemals geschehen! „Eine Wurst ist eine Wurst“ (Zitat eines ranghohen deutschen Politikers), und die ist nun mal aus Fleisch und nicht aus pflanzlichem Eiweiß.
Daher darf sie, wenn es nach der EVP geht, künftig auch nicht mehr Wurst heißen oder entsprechend eben nicht mehr Schnitzel, sondern??? Keine Ahnung. Vielleicht „Pflanzliche Proteinstange“ oder kurz PpP: „Plattiertes, paniertes Pflanzeneiweiß“. Vielleicht reicht auch Vurst statt Wurst. Das verwechselt tatsächlich niemand mehr und will zur Freude der Lobbyisten der Fleischindustrie wahrscheinlich auch keiner mehr essen.
Aber denken wir positiv! Nicht alle, die vorgeben nur unser Bestes zu wollen, veräppeln uns. Soll sich doch jeder so ernähren wie er möchte und sein Essen nennen wie er möchte. Dafür gibt es viele Beispiele.
Derzeit grassiert die Vogelgrippe und möglicherweise wird der Weihnachtsbraten dadurch deutlich teurer. Aber es gibt Alternativen!
Wie wäre es mit einer veganen Ente? In dem Rezept wird genau beschrieben, woraus das „Fleisch“ hergestellt wir (Seitan und Jackfruit), die Haut besteht aus Reispapier und die Knochen aus Zimtstangen. Wer keinen Zimt an der „Ente“ mag kann auch Blumenkohlstrünke, künstliche „Knochen“ oder Holzspieße verwenden.
Guten Appetit! Da backe ich an Weihnachten eher eine Pizza, zur Not mit veganem Käse. Warum das Gericht „Ente“ heißt und warum eine natürliche Ente in Konsistenz und Aussehen künstlich nachgebaut werden soll, wenn man mit tierischen Produkten nix am Hut hat, bleibt mir allerdings verschlossen.
Wir sehen, der Bedarf an Regelungen im Bereich Sprache und Verbraucherschutz ist riesig. Die Debatten um solch wichtige Dinge werden kein Ende nehmen.
Was immer Sie kochen und essen werden: Genießen Sie die den Herbst! Bei uns werden es weder Vurst noch Änte in die Auswahl der Gerichte schaffen. Aber für die Wahlen zum nächsten EU-Parlament stehen sie auf meiner Merkliste.
Ich wünsche Ihnen eine entspannte und genussreiche Advents- und Weihnachtszeit und uns allen eine friedlicheres und lebenswertes Jahr 2026, mit überwiegend positiven Entwicklungen.
Ihr
Andreas Geist