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Kolumne "Geistreich": Alle Jahre wieder…

Hier erzählt unser (Un-)Ruheständler Andreas Geist über seine Eindrücke aus dem Leben eines Rentners.

Ich hätte es ahnen können. Schon im September kündigte es sich in den Supermärkten mit vollen Regalen an: Weihnachtsgebäck, Dominosteine, Marzipan, Nougat und das dazugehörige Dekomaterial. Aber ich habe die Zeichen der Zeit wohl ignoriert und jetzt plötzlich steht Weihnachten vor der Türe. Dabei ist der Sommer gerade erst vorbei und schon werden die Türchen am Adventskalender eins nach dem anderen geöffnet. Und mit jedem geöffneten Türchen steigt der Jahresendstress, denn man erkennt: Die Zeit wird knapp bis zum Fest und die Liste der noch zu erledigenden Dinge und Aufgaben irgendwie nicht kürzer.
Was wollen wir essen, wer kommt zu Besuch, wo müssen wir hin, haben wir Geschenke für alle Leute, die wir mögen und beschenken wollen? Und was verschenken wir? Das ist ein eigenes Kapitel. Nicht umsonst gibt es „Black Friday“ und „Black Week“ Ende November, wo alles Mögliche zu angeblichen Schnäppchenpreisen verramscht wird.
Tipp: Achten Sie bei Ihren Einkäufen gut auf die Kassenbons, denn ein Großteil der Geschenke, über die Sie sich viele Gedanken gemacht haben, wird am 1. Werktag nach Weihnachten wieder umgetauscht.

Alle Jahre wieder fragen wir uns auch: Verschicken wir dieses Jahr Weihnachtskarten mit gut gemeinten Sprüchen wie „Wir wünschen Euch ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest“ oder ähnlich.
Wünschen kann man das ja gegenseitig, aber ruhig und besinnlich ist in den letzten Wochen des Jahres rein gar nichts mehr. „Stille Nacht“? Von wegen! Dauerbeschallung, Geschiebe und Gedrängel in den Läden und sogar auf dem Weihnachtsmarkt.

Wenn man den Festtagstrubel einigermaßen überstanden hat, kündigt sich auch schon der nächste Knaller an: Silvester. Viele wünschen sich dann ein gutes und gesundes Neues Jahr und Ruhe und Frieden. Draußen aber wird mit Raketen geschossen und Kanonenschläge gezündet als wäre ein Krieg ausgebrochen. So was ähnliches ist es auch. Haben Sie noch die Bilder der letzten Jahre vor Augen? Die Innenstädte werden dann zu Krawallzonen, in denen sich die Leute gegenseitig beschießen, Bengalos und Knaller in Menschenansammlungen geworfen werden und manche Idioten gezielt Raketen in offene Fenster jagen.
Letztes Silvester gab es bundesweit fünf Tote durch die Knallerei, hunderte Verletzte mit Verbrennungen, abgesprengten Fingern und geschädigten Augen und Ohren. Alle Jahre wieder und die Menschen werden nicht schlau.

Auch zwischen Weihnachten und Silvester gibt es keine Ruhe. Hier bei uns am Niederrhein findet der Wahnsinn dann seine Fortsetzung: Die Parkplätze sind rappelvoll mit gelben Nummernschildern, weil die „Munition“ hier wesentlich billiger ist als im nahegelegenen Holland. Das Geschiebe und Gedränge auf der Jagd nach den besten Angeboten stellt sogar das der Vorweihnachtszeit in den Schatten.
In den Niederlanden dürfen Privatleute übrigens ab Silvester 2026/2027 kein Feuerwerk und keine Böller mehr zünden. Käme das auch hier bei uns - ich würde einen Sektkorken knallen lassen!

Aber wenn der Rauch sich dann verzogen hat, richten wir den Blick nach vorne und sind überzeugt: Nächstes Jahr wird alles besser! Und eine Zeitlang glauben wir vielleicht sogar daran – alle Jahre wieder.

Ich wünsche Ihnen - Stress hin oder her - ein schönes und entspanntes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ohne Verletzungen, Krawalle, Übergriffe oder gar Brandschäden und uns allen tatsächlich Ruhe und Frieden für 2026. Und: Viel Vorfreude auf das Sportjahr 2026, das mit den Winter-Paralympics ein erstes Highlight schon im März hat und das mit zahlreichen tollen Veranstaltungen gespickt sein wird.

Ihr Andreas Geist

 

„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“
Georg Christoph Lichtenberg. Physiker und Schriftsteller 1742-1799