Interviewreihe: Wolfgang Janko, ID-Judo von Anfang an.

Die Interviewreihe „Ehrenamt ist keine Arbeit, die nicht bezahlt wird. Es ist Arbeit, die unbezahlbar ist.“, beschäftigt sich mit ehemaligen aber auch aktiven freiwilligen Helfer*innen, die uns Eindrücke aus der alltäglichen Arbeit des Ehrenamts geben.

© Wolfgang Janko

Wolfgang Janko ist seit 36 Jahren im ID-Judo dabei und davon ein Großteil seiner ehrenamtlichen Zeit für den BRSNW aktiv. Alle großen Erfolge des Para Judos durfte er selber miterleben.

BRSNW: Was ist Ihre derzeitige ehrenamtliche Aufgabe?

W. Janko: Als Abteilungsleiter Judo bin ich für die Organisation der verschiedenen Wettkämpfe und die Weiterentwicklung des ID-Judo (ID steht für „intellectual disability“) zuständig Zurzeit mache ich im Bereich leider ID-Judo sehr wenig da der Trainingsbetrieb noch nicht wieder aufgenommen werden konnte. Denn Judo ist eine Kontaktsportart und zusätzlich gehören Menschen mit Lernschwierigkeiten zu einer der höchsten Risikogruppen. Daher sind wir mit ID-Judo quasi die Letzten, die ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Der Para Judo Trainingsbetrieb läuft derweil unter bestimmten Bedingungen wieder an. Zum Beispiel muss immer mit dem gleichen Trainingspartner*in trainiert werden). Um dieses Jahr noch eine Veranstaltung stattfinden zu lassen, wollen wir statt einem typischen Wettkampf, einen Kata – Wettbewerb auf die Beine stellen. Bei einer Kata geht es nicht ums Gewinnen. Ein Paar versucht möglichst harmonisch, synchron und technisch vollkommen, vorgegebene Judo-Techniken zu demonstrieren.

BRSNW: Wie und wann kamen Sie damals zu Ihrem Ehrenamt?

W. Janko:  Seit 1984 bin ich im Judo ehrenamtlich aktiv. Ich war damals schon beim Judoverband aktiv und wurde dort relativ schnell als Behindertenbeauftragter eingesetzt, um Judo weiter zu entwickeln. Der BRSNW und der Nordrhein-Westfälischer Judo-Verband (NWJV) kamen beide aufeinander zu und beschlossen eine Kooperation einzugehen. Andere Verbände hatten damals noch Bedenken, was den Kampfsport für geistig Behinderte angeht. Der BRSNW war damals der wichtigste Rückhalt für das ID-Judo. Ohne diese Förderung hätte der gesamte Entwicklungsprozess wesentlich länger gedauert.

BRSNW: Was treibt Sie an das Ehrenamt auszuführen?

W. Janko: Ich bin von Anfang an dabei. Die ganze Entwicklung des ID-Judos mitgemacht zu haben und zu sehen, wie es sich immer weiterentwickelt, treibt mich an. Rückschläge haben mich immer gestärkt. Nach wie vor gilt es, anders Denkende zu überzeugen. Unser letztes und größtes Ziel, ist die Teilnahme von ID-Judoka an den Paralympics.

BRSNW: Was war Ihr schönstes Erlebnis im Ehrenamt?

W. Janko: Da gibt es mehrere: Allen voran, dass der Judo-Sport sich immer weiterentwickelt hat. 1999 konnten wir die erste Deutsche Meisterschaft ausrichten, 18 Jahre später fand die erste Weltmeisterschaft statt. 2016 durften erstmals ID-Judoka eine Schwarzgurt-Prüfung ablegen. Dafür haben wir viele Jahre gekämpft. Völlig unglaublich, wenn man bedenkt, dass es für die farbigen Gürtel schon lange ein spezielles Prüfsystem gab und es kein Problem gab, dieses zu implementieren. Beim Schwarzgurt, dem höchsten Gurt, hat es jedoch viele Jahre gedauert, bis ID-Judokas ihre Schwarzgurtprüfungen absolvieren konnten.

BRSNW: Was machen Sie in Ihrer Freizeit neben oder nach der ehrenamtlichen Zeit?

W. Janko: Wenn es die Zeit zulässt, ganz viel Urlaub. Wir sind viel unterwegs. Sonst gehört der Sport natürlich als fester Bestandteil dazu.

BRSNW: Danke Herr Janko, dass Sie sich seit 36 Jahren so für den Behindertensport einsetzen!