Zum Jahresabschluss haben wir mit unserer Vorsitzenden Anja Surmann und unserem neuen Vorstandsmitglied Prof. Dr. Rüdiger Mielke gesprochen. In einem ausführlichen Interview geben sie persönliche und fachliche Einblicke in ihre Arbeit, berichten von ihren bisherigen Erfahrungen und zeigen, welche Aufgaben und Themen sie aktuell besonders bewegen. Gleichzeitig werfen sie einen Blick nach vorn und sprechen über ihre Vorhaben, Ziele und Ideen für die kommende Zeit.
Fragen an Anja Surmann:
1. Welche Ziele verfolgst du aktuell für den Verband, und welche Prioritäten stehen für dich in den kommenden Jahren ganz oben?
Trotz zahlreicher aktueller Herausforderungen liegt vor uns eine Zeit voller Chancen und Möglichkeiten, die ich aktiv nutzen möchte. Sport ist weit mehr als Wettkampf – er ist Brücke, Motor und Botschafter unserer gemeinsamen Stärke. Gerade der Behindertensport zeigt eindrucksvoll, wie Vielfalt zur Bereicherung unserer Gesellschaft wird.
Der BRSNW ist die sportliche Heimat von mehr als 1.400 Vereinen und über 19.000 Rehabilitationssportgruppen und damit der größte Landesverband im Deutschen Behindertensportverband. Diese Größe und Stärke bringen eine besondere Verantwortung mit sich – insbesondere für die flächendeckende Versorgung mit Angeboten im Breiten-, Reha- und Leistungssport.
Unsere zentrale Aufgabe besteht darin, trotz knapper werdender Ressourcen attraktive und nachhaltige Angebote zu schaffen, die möglichst viele Menschen erreichen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Art der Beeinträchtigung. Noch immer finden zu wenige Menschen mit Behinderung den Weg in den Sport, und weiterhin bestehen zahlreiche Barrieren auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft.
Diesen Herausforderungen möchte ich mich gemeinsam mit den haupt- und ehrenamtlichen Gremien des BRSNW stellen. Durch effiziente Strukturen, klare Prioritäten, den Ausbau starker Partnernetzwerke sowie mit großer Leidenschaft und Überzeugung.
Ein besonderer Schwerpunkt unserer aktuellen Arbeit liegt in der Unterstützung der Bewerbung der Region Rhein-Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele. Das Paralympische Zentrum NRW bietet hierfür hervorragende Standortbedingungen. Eine Bewerbung und mögliche Ausrichtung der Paralympischen Spiele im eigenen Land kann ein wichtiger Beschleuniger für die inklusive Sportentwicklung sein – vorausgesetzt, paralympische Belange werden von Beginn an gleichberechtigt, nachhaltig und konsequent mitgedacht.
2. Was war bisher dein schönster oder prägendster Moment in deiner Arbeit für den BRSNW?
Es gibt nicht den einen schönsten oder prägendsten Moment, sondern viele Erlebnisse, die die gesamte Aufgabenbreite des BRSNW widerspiegeln: etwa die mitreißende Lautstärke im Sportcenter der REHACARE, die für pure Freude an Bewegung steht; der Jubel unserer Athlet*innen über persönliche Bestleistungen bei Wettkämpfen; oder die tiefe Dankbarkeit einer Rehasportlerin, die nach schwerer Krankheit ihre Mobilität zurückgewonnen hat.
Einen ganz besonderen Lieblingsmoment möchte ich dennoch hervorheben, da er stellvertretend für die Freude am Sport und für persönliche Lebensträume steht. Im Rahmen unserer „Para Sport Lounge“, die wir 2024 während der Paralympischen Spiele in Paris in den Schadow Arkaden in Düsseldorf durchgeführt haben, durften wir eine junge, kleinwüchsige Leichtathletin interviewen. Mit großer Offenheit und Leidenschaft berichtete sie von ihrem nicht immer einfachen Weg in den Sport, von der Freude, die ihr das Sporttreiben schenkt, und von ihrem großen Traum, eines Tages Teil des Team Deutschland Paralympics zu sein und selbst an Paralympischen Spielen teilzunehmen.
Ihr Auftreten, ihre Begeisterung und ihre Entschlossenheit haben mich nachhaltig bewegt. Der Para Sport bringt viele starke Persönlichkeiten hervor, die weit über den sportlichen Bereich hinaus in unsere Gesellschaft wirken und als Vorbilder dienen – sie ist eine davon.
3. Was motiviert dich persönlich jeden Tag aufs Neue, diese verantwortungsvolle Position auszuüben?
Es sind vor allem die zahlreichen Begegnungen und Gespräche mit unseren Sportler*innen im Breiten-, Reha- und Leistungssport, die mich jeden Tag aufs Neue motivieren und mir auch persönlich sehr viel zurückgeben. Zu erleben, was wir mit unseren Sportangeboten bewirken können und welchen wichtigen Beitrag wir damit für eine inklusivere Gesellschaft leisten, ist eine große Antriebskraft – für mich ebenso wie für das gesamte Team.
Gleichzeitig treibt mich der Anspruch an, dass noch immer zu wenige Menschen mit Behinderung regelmäßig Sport treiben. Das möchte ich ändern und aktiv dazu beitragen, Barrieren sowohl auf den Sportstätten als auch in den Köpfen abzubauen.
4. Gab es in deiner bisherigen Zeit im Vorstand etwas, das dich überrascht hat oder womit du so nicht gerechnet hättest?
Was mich in meiner bisherigen Zeit im Vorstand besonders positiv überrascht, ist die hohe Qualität der inhaltlichen Beiträge in unseren Sitzungen sowie die große Leidenschaft, mit der wir gemeinsam daran arbeiten, den Sport für Menschen mit Behinderung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Haupt- und Ehrenamt agieren dabei engagiert und auf Augenhöhe – eine Zusammenarbeit, die es uns ermöglicht, viel zu bewegen und nachhaltig Wirkung zu erzielen.
Natürlich ist die Arbeit des Vorstands nur so stark wie die der gesamten Geschäftsstelle. Daher gilt mein ausdrücklicher Dank allen Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle für ihre hohe fachliche Kompetenz, ihr Engagement und ihre verlässliche Unterstützung.
5. Was sollten die Menschen über dich wissen, was man auf den ersten Blick vielleicht nicht erwartet?
Oh! Ich weiß nicht, ob es da Überraschendes gibt und das liegt sicher auch im Auge des Betrachters. Ich überlasse es gerne meinem Gegenüber, dies herauszufinden und freue mich auf viele Gespräche in 2026!
Fragen an Prof. Dr. Rüdiger Mielke:
1. Wie würdest du deine bisherige Arbeit im BRSNW beschreiben, und auf welche Entwicklungen blickst du besonders gern zurück?
Seit 2 Jahren bin ich als Landessportarzt im BRSNW und seit wenigen Monaten auch im Vorstand tätig. Meine Arbeit war von Beginn an von der Leidenschaft geprägt, Inklusion und Teilhabe durch Sport zu fördern. Besonders gerne schaue ich auf die Referententagung Anfang 2025 zurück, bei der ich eine sehr lebendige Diskussionskultur wahrnehmen konnte, und erlebt habe, wie engagiert an bedarfsgerechten Angeboten zur Stärkung der Vereinstätigkeit gearbeitet wird.
2. Welche Ziele verfolgst du persönlich für die Zukunft des Verbandes und deine Rolle darin?
Ich möchte gerne durch eine enge Zusammenarbeit mit Partnern aus Politik, Wissenschaft und anderen Verbänden dazu beigetragen, den Behinderten- und Rehabilitationssport in NRW nachhaltig zu stärken.
3. Gibt es etwas Persönliches, das deine Arbeit im Verband prägt und das du gerne mit uns teilen möchtest?
Es motiviert mich außerordentlich, wenn ich sehe, wie Sport Menschen auch psychisch stärkt, Selbstvertrauen gibt, Gemeinschaft schafft und Grenzen überwinden hilft – unabhängig von individuellen Einschränkungen.
4. Was motiviert dich, dich im Vorstand vom BRSNW zu engagieren und was treibt dich langfristig an?
Meine Motivation speist sich aus der festen Überzeugung, dass Sport ein zentrales Mittel ist, um Selbstbestimmung, Teilhabe und Lebensqualität für Menschen mit Behinderung zu fördern. Im Vorstand des BRSNW sehe ich die Chance, diese Werte aktiv mitzugestalten und strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen, die Inklusion im und durch Sport nachhaltig stärken.
5. Welche Aspekte der Zusammenarbeit im Vorstand empfindest du als besonders bereichernd oder inspirierend?
Besonders bereichernd ist für mich die Erfahrung, wie vielfältig und perspektivisch die Zusammenarbeit im Vorstand ist. Als inspirierend und motivierend empfinde ich die konstruktive Debattenkultur, den respektvollen Umgang miteinander und das gemeinsame Streben nach nachhaltigen und innovativen Lösungen.