„Mir geht’s gut, ich würde sagen, dass ich fit bin“, sagt Isabell Thal, die im vergangenen Jahr mit Bronze ihre erste EM-Medaille feiern konnte, nach den finalen Trainingslagern in Berlin und am Para Judo-Bundesstützpunkt in Heidelberg. Genau dort will die Judoka von Budoka Höntrop am 14. August ihren größten Erfolg feiern: „Ich habe schon sehr große Erwartungen an mich, ich kenne die europäische Konkurrenz. Ich möchte in den Finalblock und dann schon gerne ins Finale.“ Dort dürfte dann die Favoritin warten: Daria Stakanova, die ungeschlagene Weltmeisterin, die Thal auch in diesem Jahr beim Grand Prix in Tiflis im Finale Ende März bezwungen hatte.
Der Weg für dieses Finale ist frei, Thal ist als Nummer zwei in der Klasse J2 bis 60 Kilogramm hinter Stakanova gesetzt, gewinnen beide ihre Kämpfe, die ab 10 Uhr starten, treffen sie sich im Duell um Gold. „Ich hatte jetzt eine recht lange Wettkampfpause“, sagt Thal: „Das haben wir bewusst so entschieden, um die EM und WM vorzubereiten, damit ich für die Wettkämpfe nicht immer aus dem Training rausgerissen werde. Die WM ist das Haupt-Event dieses Jahr, aber eine Heim-EM ist trotzdem cool und es ist wichtig, eine gute Leistung zu bringen, damit ich für die WM auch an Weltranglisten-Position zwei bleibe.“
In Heidelberg wird auch ihre Mutter vor Ort sein, „das ist schön, weil sie sonst international nie dabei ist außer bei den Paralympics in Paris und sie sich das so noch mal live anschauen kann. Es gibt ja Leute, die es total geil finden, einen Riesen-Fanclub dabei zu haben, aber ich reiße mich nicht darum und habe lieber meine Ruhe – aber natürlich sind alle herzlich eingeladen. Auch mein Chef kommt vorbei.“
Der Chef, das ist BRSNW-Geschäftsführer Michael Nordhaus, der sich darüber freut, dass zunehmend aktive und ehemals aktive Leistungssportlerinnen und Leistungssportler für die Verbandsarbeit gewonnen werden können. Mit Isabell Thal, Para Radsportler Marc Lembeck als Bereichsleiter für den paralympischen Leistungssport und dem zweiten Talentscout, Para Kanute Dominik Siemenroth, arbeiten gleich mehrere aktive Athletinnen und Athleten beim BRSNW. Sie bringen ihre unmittelbaren Erfahrungen aus Training, Wettkampf und dem täglichen Leben als Para Sportler direkt in die Arbeit des Verbandes ein. Davon profitiert das gesamte BRSNW-Team.
Thal hat in Bochum Sportwissenschaften im Bachelor und Master studiert und dann beim BRSNW als Talentscoutin angefangen. Dort kann sie ihre volle Erfahrung einbringen, schließlich fing sie zwar schon mit acht Jahren im Judoverein an, zählte dann aber viele Jahre auch zur Nationalmannschaft im Para Ski alpin und war sogar 2022 bei der WM in Lillehammer dabei. Seit Ende 2022 ist sie Teil der Para Judo-Nationalmannschaft und wurde bei der WM und in Paris bei den Paralympics Fünfte.
Davon profitiert sie in ihrem neuen Job: „Es hilft mir sehr, wie ich selbst in den Para Sport gekommen bin, ich kenne andere Leute und deren Geschichte und frage mich: An welchen Stellen muss man anknüpfen, um Kids, Jugendliche oder Quereinsteiger zu finden? Sport ist sehr wichtig und hilfreich für die motorische Entwicklung, ich habe durch das Sportstudium alles ausprobiert, bin aber auch vorher schon Inliner gefahren, habe Judo gemacht, war Klettern – einfach das, woran man Spaß hat. Gerade für jüngere Kinder ist es nicht so entscheidend, direkt die eine Sportart zu finden, sondern früh anzufangen und eine gute Grundausbildung zu bekommen. Dann kann man immer noch schauen, welchen Sport man länger verfolgen möchte.“
Beim BRSNW gefällt es ihr sehr gut, „wir sind ein cooles Team, ich freue mich darüber, dass wir gut zusammenarbeiten und vieles planen, zum Beispiel das Para Sport Camp im November in Bochum-Wattenscheid. Wir wollen nachhaltige Angebote schaffen, bei dem die Kinder bleiben und fortlaufend Interesse am Para Sport haben.“
Werbung für ihren Sport kann Thal schon am Wochenende machen. Am Freitag kämpft sie im barrierefreien SNP dome Heidelberg, der Platz für bis zu 4000 Fans bietet, bis Sonntag dauern die Titelkämpfe an. Und wer die Bochumerin anfeuern möchte: Bahnhof, Unterkünfte, Trainings- und Wettkampfstätten befinden sich in Heidelberg im Umkreis von eineinhalb Kilometern, der Eintritt ist frei.