Der Film feiert am Freitag, 18. September, um 22.10 Uhr bei MagentaTV Premiere.
Die 40-minütige Dokumentation ist die erste Produktion der Sportstiftung NRW, die als Streaming-Angebot einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird. Eine weitere Ausstrahlung bei MagentaTV folgt am Samstag, 19. September, um 19.30 Uhr. Ebenfalls ab Samstag ist der Film auf dem YouTube-Kanal der Stiftung verfügbar. Sowohl bei MagentaTV als auch auf YouTube kann die Doku „on demand“ kostenlos angesehen werden.
Zerrissen zwischen zwei Sportsystemen
Mio Wagner wurde im Para Tischtennis Jugendeuropameister, im olympischen Bereich mit nicht-behinderten Gegnern gewann er 2026 überraschend zwei Titel bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. Er ist derzeit das einzige Nachwuchstalent, das sowohl im para- als auch im olympischen Bereich die Voraussetzungen für eine Förderung durch die Sportstiftung NRW erfüllt. Der Film behandelt Mios innere Zerrissenheit, die Doppelbelastung in zwei Leistungssportsystemen und die Frage, wie lange er beide Wege gleichzeitig gehen kann. „Ich bin damit aufgewachsen, dass ich bei den Nicht-Behinderten spielen durfte. Bei den Behinderten zu spielen, war für mich immer der Bonus“, sagt er.
Tischtennis als Ort für Anerkennung
Mio wurde mit einer Radiusaplasie geboren. Ihm fehlt die Speiche im rechten Arm, er hat kein Handgelenk und seine rechte Körperhälfte ist schwächer als die linke. Seine ersten Lebensjahre waren von Operationen und Krankenhausaufenthalten geprägt. Früh wird Tischtennis für Mio zu einem Ort, an dem seine Einschränkungen in den Hintergrund treten. Zunächst spielt er gegen seine Brüder und besiegt sie irgendwann. Mio will gesehen werden und sich sportlich selbst beweisen, ohne etwas geschenkt zu bekommen. Als seine größte Stärke beschreibt er seinen Willen, weiterzugehen als andere: „Ich habe es einfach immer so lange probiert, bis es klappt.“
Am Deutschen Tischtennis-Zentrum
2022 wechselt Mio von Schleswig-Holstein an das Deutsche Tischtennis-Zentrum (DTTZ) nach Düsseldorf. Dort lebt er im Sportinternat und trainiert gemeinsam mit den besten nicht-behinderten Nachwuchstalenten. „Es gab den Moment, als im Regelsport der Knoten geplatzt ist und ich gewinnen durfte“, erzählt Mio. „Das hat mir so viel mehr bedeutet als alles, was ich im Behindertensport schon erreicht hatte.“
Mit seinen Erfolgen wachsen seine Erwartungen an sich selbst. Im Para Sport gehört Mio zu den Besten seiner Klasse und spielt international um Spitzenplatzierungen. Im olympischen Bereich reicht dieselbe Leistung weniger weit. „Das macht etwas mit einem jungen Menschen, der das noch gar nicht einordnen kann“, erklärt Hannes Doesseler, Bundesstützpunktleiter Para Tischtennis und früher Wegbegleiter des Spielers.
Suche nach dem eigenen Weg
Die Dokumentation zeichnet die Selbstzweifel und inneren Konflikte eines Athleten nach, der Orientierung sucht: Wo gehöre ich hin? Wo liegt meine sportliche Zukunft? Unterstützung erhält Mio dabei unter anderem von Markus Rehm. Der fünffache Paralympics-Sieger in der Leichtathletik versteht die Situation des jungen Tischtennisspielers aus eigener Erfahrung. „Was Mio innerlich durchmacht, kann ich absolut nachvollziehen. Ich hatte auch sehr große Ambitionen, als ich mit Leistungssport anfing. Vielleicht wäre ich dran gescheitert, wenn ich mir nicht ganz klare Zwischenziele gesetzt hätte.“
Dass der eigentliche Gegner manchmal nicht gegenüber an der Platte steht, sondern im eigenen Kopf sitzt, ist eine von Mios Erkenntnissen. Die endgültige Richtung seines künftigen Wegs bleibt offen. Klar ist nur ein Ziel, sagt er: „Ich will mein Potenzial nutzen – das ist mein Traum.“
Akzent pro KölnRheinRuhr
Der Sendetermin hätte kaum besser gewählt sein können. Am 26. September entscheidet die außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes, welche deutsche Region in das internationale Bewerbungsverfahren um Olympische und Paralympische Spiele einzieht. Lucas Flümann, Geschäftsführer der Sportstiftung NRW, erklärt: „Mit Mios Geschichte machen wir sichtbar, wie eng olympischer und paralympischer Spitzensport in Nordrhein-Westfalen bereits miteinander verbunden ist. Wir stehen dafür, nicht nur sportliche Leistungen zu fördern, sondern Persönlichkeiten, die die Faszination Leistungssport auch für Menschen außerhalb des Sports greifbar machen.“
Inklusion unter einem Dach
Am DTTZ in Düsseldorf trainieren Athletinnen und Athleten mit und ohne Behinderung unter einem Dach. Richard Prause, Vorstand Sport des Deutschen Tischtennis-Bundes, beschreibt, wie selbstverständlich das gelebt wird: „Seinen Platz im Nachwuchsbundeskader hat Mio sich unter denselben sportlichen Maßstäben erarbeitet wie alle anderen. Wenn Mio spielt, spürt man seine Leidenschaft: Er bringt sein ganzes Herz und alle seine Emotionen mit an den Tisch und ist immer bereit, alles aus sich herauszuholen – nicht nur als Einzelsportler, sondern auch und vor allem fürs Team."
Anja Surmann, Vorsitzende des Behinderten- und Rehabilitationssportverbands Nordrhein-Westfalen, ergänzt: „Mios Weg zeigt zugleich, wie wertvoll eine enge Zusammenarbeit zwischen olympischen und paralympischen Verbandsstrukturen in der Praxis sein kann. Als BRSNW wollen wir Mio die bestmöglichen Rahmenbedingungen für seine Entwicklung bieten."
Marc Möllmann, Vorstand Leistungssport des Deutschen Behindertensportverbandes, betont: „Mio zeigt eindrucksvoll, was im Sport möglich ist, wenn Talent, Leidenschaft und Wille zusammenkommen. Seine Geschichte macht aber auch deutlich, welche mentalen Konflikte damit verbunden sind und wie hoch das Niveau im Para Tischtennis ist und welche Besonderheiten hier gelten. Ich wünsche Mio weiterhin den Mut und die Entschlossenheit, seinen ganz eigenen Weg zu gehen."
Filminformationen: Titel: „Auf beiden Seiten des Tisches“ Laufzeit: 40 min Filmemacher: Marcel Ohm MagentaTV: Freitag, 18.09., 22.10 Uhr, www.magenta.tv/tv/auf-beiden-seiten-des-tisches/03279a57
Sowie am Samstag, 19.09., 19.30 Uhr Ab Samstag, 19.09., auf dem YouTube-Kanal der Sportstiftung NRW
Zur Person: Mio Lukas Wagner Mio Lukas Wagner wurde 2007 in Lübeck geboren und trainiert seit 2022 am Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf. Er lebt im angeschlossenen Sportinternat und startet für den Krummesser SV in Schleswig-Holstein.
Im Para Tischtennis tritt er in der Wettkampfklasse 10 für stehende Athleten mit leichten körperlichen Beeinträchtigungen an. Er wurde mit einer Radiusaplasie geboren, die seine rechte Körperhälfte beeinträchtigt.
Ausgewählte Erfolge:
- Mitglied des paralympischen Bundeskaders und des olympischen Nachwuchsbundeskaders
- Zweifacher Deutscher Jugendmeister 2026 im Regelsport
- Deutscher Jugend- und Seniorenmeister 2025 im Para Sport
- Jugend-Europameister 2025 im Para Sport
Die Sportstiftung NRW wurde im Jahr 2000 von der nordrhein-westfälischen Landesregierung ins Leben gerufen. Schwerpunktmäßig unterstützt sie mündige Nachwuchsathletinnen und -athleten aus olympischen, paralympischen, deaflympischen und World-Games-Sportarten mit einer monatlichen Individualförderung.
Pressemeldung der Sportstiftung NRW vom 15. September 2026
Pressekontakt: Sebastian Burg · 0221 4982-6026 · 0176 626 323 38 · sebastian.burg@sportstiftung-nrw.de· www.sportstiftung-nrw.de