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15.11.2018 : 5:15 : +0100

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


Fußballtennis

Die Ursprünge dieses Spieles wurzeln zum einen in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in der Tschechischen Republik, zum anderen in Baden-Württemberg. Dort hat Fritz Schnürle aus Pforzheim dieses Spiel (Schnürles) anscheinend populär gemacht. Viele Menschen kennen Fußballtennis nur als Ergänzungstraining bspw. im Fußball.

t.s.

Regeln

Fußballtennis wird mit einem Volleyball gespielt. Das Spielfeld misst 20 x 8 m, eine Leine (ein Meter hoch) trennt die beiden Spielhälften. Auf jeder Seite steht eine Mannschaft mit vier Spielern. Es erfolgt eine Angabe in das gegnerische Feld, der Ball muss vom Gegner mit höchstens drei Bodenkontakten und höchstens drei Spielerkontakten ins gegenüberliegende Feld zurückgespielt werden, ohne die Leine zu berühren. Dabei muss zwischen jedem Bodenkontakt ein Spielerkontakt liegen. Mit den Armen und Händen darf der Ball nicht berührt werden.

Ein Spiel dauert bei Meisterschaften (und den meisten Turnieren) 2x 7 Minuten. Es kann aber bspw. auch bis zu einer bestimmten Punktzahl gespielt werden. Die kompletten Spielregeln gibt es auf der Internetseite des DBS-NPC.  

t.s.

Fußballtennis in Deutschland

In den 1950er und 60er Jahren etablierte sich Fußballtennis als eigenständige Sportart im (west-) deutschen Behindertensport. Speziell Kriegsversehrte und Menschen mit Armbehinderungen (Amputationen, Versteifungen etc.) sollten sich von diesem Sport angesprochen fühlen. Es fanden sich aber auch viele Sportler mit Beinamputationen zum Fußballtennis. Anders als erwartet, stellte sich die Sportart auch (oder gerade) für diese Menschen als gut geeignet heraus. Ohne Prothesenträger als Schlagmann hatte eine Mannschaft in den 70er und 80er Jahren kaum eine Chance, um Meistertitel mitzuspielen.

Nach und nach kamen auch immer mehr Sportler hinzu, die keine Verletzungen und/oder Verstümmelungen aus dem Zweiten Weltkrieg mitgebracht hatten, sondern durch Unfallfolgen, Krankheiten oder auch bspw. den Conterganskandal auf den Rahmen des Versehrten- bzw. Behindertensports angewiesen waren, wenn sie sich sportlich betätigen wollten. Diese Sportler sorgten für eine erhebliche Verjüngung in den Vereinen. 

t.s.

Leistungssport

Offizielle Meisterschaften gibt es auf Bundesebene seit 1968 und auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen etwa seit der Saison 1970/71.

Es gibt außerdem im Bereich des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) eine Liga, die Fußballtennis mit einem höheren Netz und einem Fußball spielt. Dies findet allerdings außerhalb des DBS bzw. BRSNW statt.

t.s.

Leo Milcher (blau, BSG Alsdorf) beim Schlag gegen BSG Nahbollenbach

Landesmeisterschaften

Die Fußballtennis-Meisterschaften in Nordrhein-Westfalen werden über die Landes- und Oberliga ausgetragen. In der höchsten Spielklasse, der Landesliga, spielen an zwei Spieltagen zehn Mannschaften im Modus „Jeder gegen Jeden“ eine Vorrunde aus. Im Anschluss spielen die ersten sechs Mannschaften der Vorrunde ein weiteres Mal Jeder gegen Jeden. Durch diese Spielrunde wird nicht nur der Landesmeister sondern auch mögliche weitere Vertreter des BRSNW zur i.d.R. Ende Mai stattfindenden Deutschen Meisterschaft ermittelt.

Die Teams der Oberliga ermitteln gemeinsam mit den Landeslisten, welche in der Vorrunde die Plätze 7 bis 10 belegten, die Aufsteiger zur Landesliga für die folgende Saison. 

Bei Bedarf kann die Oberliga gesplittet oder eine unterklassige Bezirksliga eingeführt werden.

NRW-Landesmeister seit 1971:

RAS (BSG) Witten, 17 Titel

BSG Gladbeck, 10 Titel

BSG Rheydt, 9 Titel

BSG Würselen, 6 Titel

BS (VSG) Münster, 2 Titel

TuS Meinerzhagen, 2 Titel

 t.s.

*Stand 07/2018

Ligabetrieb in NRW

Landesliga (bis zu 10 Mannschaften) 

Bis zur  Saison 2015/16 starteten bis zu 12 Mannschaften in der höchsten Spielklasse. Jeder spielte einmal gegen Jeden. Die Mannschaft mit den meisten Punkten nach Abschluss der Spiele war Landesmeister. Bis zu zwei Mannschaften konnten in die Oberliga absteigen. 

Ab der Saison 2016/17 bilden 10 Mannschaften* den Landesligastamm: Diese sind in zwei regionale "Pools" aufgeteilt.

 

Landesligisten 2018/19:

Pool1: BSG Rheydt, BS Hürth, BSG Alsdorf, RBSG Krefeld, RAS Witten

Pool 2: BSG Espelkamp, TuS Meinerzhagen 1, Tus Meinerzhagen 2, BSG OB-Sterkrade 1, BSG OB-Sterkrade 2

Den ersten Spieltag bestreiten Pool 1 und 2jeweils untereinander. Jeder spielt dort gegen Jeden. Am zweiten Spieltag treffen sich die Teams beider "Pools" in einer Halle (mit zwei Spielfeldern). Dort mischen sich die beiden "Pools". Am Ende des 2. Spieltages hat jede LL-Mannschaft einmal gegen jede andere gespielt.

Die besten sechs Mannschaften spielen am dritten Spieltag in einer "Meisterrunde" noch einmal Jeder gegen Jeden. Die Punkte, die gegen die anderen Mannschaften aus der "Meisterrunde" an den ersten beiden Spieltagen gewonnen wurden, werden mitgenommen. Die Mannschaft, die am Ende die meisten Punkte hat, ist Landesmeister. Der Landesmeister und ggf. weitere Mannschaften vertreten NRW bei der Deutschen Meisterschaft (i.d.R. Ende Mai).

Die Siebt- bis Zehnplatzierten der LL spielen gemeinsam mit den Oberligisten die Aufsteiger für die kommende Landesliga-Vorrunde aus. 

Oberliga (bis zu 12 Mannschaften)

Die Oberliga ist unterhalb der Landesliga angelegt. 2015/16 spielten in der Oberliga nur noch sechs Mannschaften. Ab der Saison 2016/17 wird die Oberliga am dritten Spieltag mit der Landesliga zusammengelegt. Dann spielen die Oberligisten mit den Landesligisten ab Platz 7 um den Aufstieg in die Landesliga.

2018/19 spielen in der OL: VSG Oer-Erkenschwick, VSG Kohlscheid, BSG Oberhausen-Sterkrade 3 und Blau-Weiss Recklinghausen.

Voraussetzung für die Teilnahme einer Mannschaft am Spielbetrieb (in den Ligen des BRSNW) ist eine entsprechende Mitgliedschaft des Vereins beim Verband und die Einhaltung der Kriterien, was Spielerpässe, Handicap-Punkte etc. angeht. Nähere Infos gibt es beim BRSNW.

t.s.

Deutsche Meisterschaften

Von 1968 bis 1972 fanden alle zwei Jahre sog. Bundeseinladungsturniere statt. Grund dafür war, dass es damals noch nicht genügend Landesverbände innerhalb des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS-NPC) gab, um offizielle Deutsche Meisterschaften auszuspielen.

NRW stellte zu der Zeit die dominierenden Teams. VSG Gelsenkirchen (1968), VSG Münster (1970) und zweimal BSG Witten (1972, 1974) hießen die damaligen Titelträger. 1976 fanden sich genügend Landesverbände und im niedersächsischen Diepholz wurde die erste offizielle Deutsche Meisterschaft im Fußballtennis augetragen. Und auch hier trumpften die NRW-Vertreter groß auf. Bis 1985 stellte ausschließlich NRW die Deutschen Meister (BSG Witten 5, BSG Gladbeck 3 Titel). Leider endete damit auch die Vorherrschaft der NRW-Vereine im Fußballtennis. Das Saarland bestimmte seither das Geschehen und stellte – bis auf 2001 (BSG Nahbollenbach, Rheinland-Pfalz) – alle Deutschen Meister bis zum Jahr 2013. Mit dem VSV Straubing konnte in diesem Jahr erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballtennis eine Mannschaft aus Bayern, wenn auch mit einem saarländischen Schlagmann, den Titel erringen.

Und seit 2014 heißt der Deutsche Meister Spvgg Nahbollenbach aus Rheinland-Pfalz. Nahbollenbach profitierte von der Nähe zum Saarland und gab einigen Ausnahmespielern eine neue sportliche Heimat. Mit großem Erfolg, wie man sieht. Allerdings werden die Ergebnisse knapper, mit starken und jungen Teams aus Bayern und auch NRW wird es zukünftig wohl nicht einfacher, diesen Titel zu behalten.

Die NRW-Vereine spielen zwar immer wieder um die Medaillen mit, seit 1985 reichte es aber nur noch zu sechs Vizemeisterschaften (3x Witten, 2x Gladbeck, 1x Rheydt) und acht dritten Plätzen (Gladbeck 2, Witten und Rheydt je 2 sowie Würselen 1x).

Bei den Titelkämpfen 2014 in Holzminden (Niedersachsen) belegten die NRW Teams die Plätze 5 (BSG Oberhausen-Sterkrade), 6 (RAS Witten), 7 (BSG Rheydt) und 9 (SG Alsdorf/Hürth). Während die Sterkrader von einem tollen Ergebnis sprechen können, waren die Platzierungen der anderen Mannschaften eher enttäuschend.

2015 in Hamburg holte die BSG Rheydt dann in starker Manier die Silbermedaille nach NRW. OB-Sterkrade auf rang 8 und alsdorf-Hürth auf 12 blieben allerdings unter den Erwartungen.

2016 kratzte dann die TuS Meinerzhagen bei ihrer ersten DM-Teilnahme an den Medaillenrängen, wurde mit Pech aber "nur" Vierter. Rheydt (5), OB-Sterkrade (6) und Alsdorf (8) folgten auf den Plätzen.

2017 in Hamm/Westf. gab es dann endlich wieder eine NRW-Medaille. Nachdem zweimal hintereinander der Länderpokal gewonnen wurde, war dies auch überfällig. die tuS Meinerzhagen holte Bronze und verpasste silber nur ganz knapp. Starker Fünfter wurde OB-Sterkrade, Alsdorf und Espelkamp schlossen auf den Rängen 9 und 10 ab.

 t.s.

 

 

11x: BSG Illingen (Saar)*

8x: RGS (BSG) Elversberg (Saar)

7x: RAS (BSG) Witten (NRW)

7x: RGS (BSG) Hostenbach (Saar)

6x: BSG Nahbollenbach (Rhl.-Pfalz)

3x: BSG Gladbeck (NRW)

2x: BSG Elm* (Saar)

1x: VSG Gelsenkirchen (NRW), VSG Münster (NRW), BSG Nahbollenbach (Rhl.-Pfalz), VSV Straubing(Bayern)

 t.s.

*2x als Spielgemeinschaft SG Illingen-Elm

 Stand: 07/2018

RAS Witten vs. RGSV Moosburg bei der DM 2013 und Illingen vs. Straubing, DM 2013

Länderpokal

Seit 1994 wird einmal jährlich der Länderpokal ausgespielt. Dabei spielen die Auswahlmannschaften der einzelnen Bundesländer gegeneinander. Ein Bundesland kann auch mehrere Mannschaften ins Rennen schicken.

Zur Zeit sind leider nur NRW, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Bayern, Hessen und Hamburg aktiv.

Den ersten Länderpokal 1994 konnte NRW gewinnen. Danach gab es bis 2013 nur das Saarland als Champion. Erst 2014 konnte Rheinland-Pfalz dieses Serie in Hamburg beenden und diesen Titel 2015 erfolgreich verteidigen. Mit der BSG Illingen hat sich leider auch das Saarland 2016 vom deutschen Spitzenfußballtennis verabschiedet und nahm seitdem auch nicht mehr am Länderpokal teil.

Und im hessischen Fürth/Odw. erkämpfte sich die NRW-Auswahl 2016 überraschend "Gold" vor dem Topfavoriten Rheinland-Pfalz und Niedersachsen, die ihre erste Medaille überhaupt bei Deutschen Meisterschaften bzw. Länderpokalen holen konnten.

Diesen Titel konnte NRW dann im Jahr 2017 erfolgreich verteidigen.

t.s.

 

 

Die Länderpokalauswahl des BSNW 2013 in Hamburg, stehend v.l.: Trainer Heiko Vüllers, Martin Overhag, Önder Akbas, Robert Willms, Markus Schultheis, Konstantin Kaczmarik, vorne v.l.: Frank Lenz, Thomas Mischke, Thomas Schultheis (es fehlt Trainer Leo Milcher)

International

Fußballtennis gehört im Bereich des DBS-NPC zu den Nationalen Spielen. Außerhalb Deutschlands wird das Spiel auch nicht im Behinderten- bzw. Rehasport gespielt. Das Spiel hat aber eine lange Tradition, besonders in der Tschechischen Republik, der Slowakei und Ungarn. Mittlerweile wird Fußballtennis (oder Futnet) auf der ganzen Welt gespielt. In Europa und auch bspw. Südkorea, in einigen Afrikanischen Ländern, Kanada, den USA, Costa Rica, Australien etc.

2012 spielte eine Auswahl deutscher Behindertensportler bei der offiziellen Fußballtennis-Weltmeisterschaft des Weltverbandes UNIF in Nymburk (Tschechien). Mit dabei waren auch zwei Spieler der RAS Witten. Die Deutsche Mannschaft schlug sich dabei mehr als achtbar und belegte in der „Königsdisziplin“ Triple (Drei gegen Drei) von 21 Mannschaften den 10. Platz.

 

Die deutsche Mannschaft 2012: Michael Bauer, Tobias Griesser (beide RGSV Moosburg), Francois Gronostai, Franz Josef Becker (beide BSG Illingen/Saar), Heiko Vüllers, Thomas Schultheis (beide RAS Witten).

Bei der WM 2014 in Brandys nad Labem (Tschechien) trat wieder eine deutsche Auswahl an. Diese WM wurde als Teamwettbewerb ausgespielt, d.h., es gab keine einzelne Wertung in Einzel, Doppel oder Triple sondern die Spiele wurden in allen Disziplinen gegeneinader gespielt.  zusammengefasst. Dabei wurde immerhin Platz 12 (von 16) erreicht. 

Die deutsche Mannschaft 2014: Stefan Weitzmann, Franz Josef Becker (BSG Illingen/Saar), Tobias Griesser (RGSV Moosburg), Thomas Schultheis (RAS Witten) und als Coach Jürgen Johann (BSG Illingen).

 

Der Weltverband UNIF ist daran interessiert, Fußballtennis auch im Handicapbereich international anzubieten. Der Sportart könnte dies nur gut tun, viele Vereine haben ein ausgeprägtes Nachwuchsproblem. Allerdings passiert hier auf DBS-Ebene wenig bis gar nichts...

International gibt es andere Spielregeln. Es gibt einen speziellen Ball, der schwerer als ein Volleyball ist. Es wird normalerweise über zwei Gewinnsätze gespielt. Dabei geht jeder Satz bis 11 Punkte erreicht sind. Man benötigt dabei aber zwei Punkte Vorsprung, also etwa 11:9. Ist dies nicht der Fall (11:10), wird bis höchstens 15 weitergespielt. Das knappste Ergebnis ist also 15:14. Es wird in drei Kategorien gespielt: Single (Eins gegen Eins), Double (Zwei gegen Zwei) und Triple (Drei gegen Drei). Es gibt eigene Meisterschaften für Junioren- und Damenteams.

Detaillierte Informationen gibt es auf www.unifut.net und www.futnet.eu

 t.s.

Die deutsche Mannschaft 2014: Stefan Weitzmann, Franz Josef Becker (BSG Illingen/Saar), Tobias Griesser (RGSV Moosburg), Thomas Schultheis (RAS Witten) und als Coach Jürgen Johann (BSG Illingen).