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24.7.2017 : 8:32 : +0200
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Neue Talente für den Paralympischen Trainingsstützpunkt in Leverkusen

21 Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung aus ganz Deutschland testeten sich am vergangenen Wochenende in Leverkusen in den Sportarten Leichtathletik und Sitzvolleyball – einige davon wollen künftig beim TSV Bayer 04 trainieren.

Paralympics-Teilnehmer Léon Schäfer vermittelte den Talenten den Hochsprung.
Weitsprung-Weltrekordler Heinrich Popow (Mitte) und Tim von Hagen von APT (links) schraubten an Prothesen.
So viele Teilnehmer wie noch nie begrüßte der TSV Bayer 04 Leverkusen bei dem Sichtungswochenende. Fotos: TSV Bayer 04 Leverkusen, Mika Volkmann

Neben dem eigenen Training konnten sie in der Leverkusener Leichtathletik-Halle das Training der Top-Athleten wie Felix Streng, Irmgard Bensusan, Johannes Floors oder David Behre live vor Ort erleben. Paralympics-Teilnehmer Léon Schäfer nahm sich Zeit, um mit einem 11-Jährigen Hochsprung zu trainieren.

Jörg Frischmann, der Geschäftsführer der Behindertensportabteilung, zeigte sich begeistert: "So viele Teilnehmer gab es meines Wissens bei einem solchen Sichtungswochenende hierzulande noch nie. Besonders freut mich, dass wir das Event überhaupt nicht beworben haben und sie über sieben oder acht verschiedene Wege zu uns gekommen sind."

Eine Anordnung reiste vom Verein Anpfiff Hoffenheim e.V. nach Leverkusen, andere Teilnehmer kamen über den Partner APT-Prothesen, ein Sportler war in Rio im Paralympischen Jugendlager der Deutschen Behindertensportjugend dabei, ein anderer war bereits im C-Kader der deutschen Para-Cycling-Nationalmannschaft.

Es gab aber auch deutlich ungewöhnlichere Wege, wenn beispielsweise Mitglieder des Vereins wie Barbaros Sayilir die Menschen ansprachen, ob sie nicht vorbeikommen wollten. Sprinter Johannes Floors brachte eine Sportlerin mit, die er mit der Alltagsprothese versorgte, die er für seine Abschlussprüfung als Orthopädietechnik-Mechaniker gebaut hatte.

Eine Anfrage kam über Facebook eine Woche vor dem Termin an, ob die Behindertensportabteilung nicht ein Praktikum bei einem Orthopädiemechaniker vermitteln könnte – und schon war er als Teilnehmer mittendrin und so begeistert vom Sitzvolleyball, dass er am kommenden Wochenende beim Schnuppertraining mit der zweiten Mannschaft spielen wird.

Ein Athlet sprach Trainer Holger Kositzki bei einem Event in Dortmund an, ob er nicht vorbeischauen könne. Er hat eine Beinverkürzung auf einer Seite, die von Klassifizierer Helmut Hoffmann unter die Lupe genommen wurde. Möglicherweise könnte es sein, dass er künftig bei den Behindertensport-Wettkämpfen starten darf. Dass er fit ist, musste er nicht beweisen, schließlich boxt er in der Bundesliga und möchte künftig auch testen, wie weit er es im Sprint bringen kann. Witzigerweise ist er über mehrere Ecken mit Bayer-Star Aleixo Platini-Menga verwandt.

Mittendrin war auch Heinrich Popow. Der Paralympics-Sieger schraubte mit Tim vom Hagen von APT an den Prothesen eines 18-Jährigen und ließ ihn ein neues Knie ausprobieren. Dieser hatte schon eigens für das Sichtungswochenende acht Kilo abgenommen und zeigte sich dann so begeistert, dass er die Sportprothese gar nicht mehr ausziehen wollte und nun erwägt, von Bayern nach Leverkusen zu ziehen, um in dem professionellen Umfeld Sport zu treiben. "Er hat sich auch wirklich gut bewegt und für mich ist es einfach eine Freude, wenn ich sehe, was das in dem Jungen auslöst", sagte Frischmann.

"Ich wusste gar nicht, dass ich mit meiner Hand so etwas überhaupt kann", sagte einer der Sportler, der eine Behinderung an der Hand hat, während er Diskus, Kugel und Speer testete, "so etwas mag vielleicht lange dauern – aber wenn mir hier gesagt wird, dass ich etwas erreichen kann, werde ich alles dafür geben."

Nachdem am Samstag Helena Pietsch und Sara Grädtke ein abwechslungsreiches Leichtathletik-Training durchgeführt hatten, kam am Sonntag auch Mats Bastian Gerhard dazu, um mit zwei Teilnehmern Sitzvolleyball zu spielen. Einigen der Sportlern waren nur die Pausen zu lange – sie konnten es kaum erwarten, weiterzumachen.

Frischmann konnte von dem Wochenende jedenfalls nur positiv berichten – um den Teilnehmern aber noch gerechter zu werden, erwägt er, künftig lieber weniger Athleten einzuladen. "Dieses Mal war es schon viel, aber natürlich wollen wir auf der anderen Seite jedem die Chance bieten, sich auszuprobieren und verschiedene Möglichkeiten kennenzulernen."

Er steht nun vor einem neuen Problem, allerdings der positiven Art: "Jetzt müssen wir schauen, in welchen Trainingsgruppen wir die Interessenten unterbringen – denn aktuell gibt es weder eine Mittelstreckengruppe noch eine Nachwuchsgruppe im Bereich Wurf."

Einladung: Wer Lust auf Sitzvolleyball hat, kann am Wochenende gerne vorbeikommen zum Schnupperkurs oder sich einfach per E-Mail unter joerg.frischmann(at)tsvbayer04.de melden.

17.02.2017 11:58 Alter: 157 Tage