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21.11.2017 : 1:51 : +0100

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


Leichtathletik-WM: Eine neue Herausforderung für Annika Zeyen

Nach zahlreichen Erfolgen im Rollstuhl-Basketball sucht Annika Zeyen eine neue Herausforderung: Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften geht die 32-Jährige im Rennrollstuhl an den Start.

Annika Zeyen nimmt zum ersten Mal an einer Leichtathletik-WM teil. Foto: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie

Annika Zeyen ist eine echte Sportskanone: Sie fährt Handbike, Wasserski oder geht zum Skifahren auf die Piste. Seit einem Reitunfall mit 14 Jahren ist die Bonnerin querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch das hindert sie nicht am Sporttreiben – im Gegenteil: Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Rollstuhl-Basketballerinnen geworden.

Die 32-Jährige hat in dieser Sportart fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Die Erfolge aufzuzählen, ohne etwas zu vergessen, ist schwer: Sie ist mehrfache Deutsche Meisterin, Pokalsiegerin, gewann den europäischen Champions-Cup. Gleich sechsmal wurde sie mit der deutschen Nationalmannschaft Europameisterin und krönte ihre Karriere mit der Paralympics-Goldmedaille 2012 in London. Mit der Silbermedaille in Rio im vergangenen Jahr machte sie jedoch mit dieser Karriere Schluss. Diesen Entschluss fasste sie bereits davor. „Eine Mannschaftssportart ist immer sehr zeitaufwändig, man ist immer mit dem Team unterwegs. Von Oktober bis Mai läuft die Bundesliga-Saison, danach war ich bei der Nationalmannschaft. Da hatte ich so gut wie nie frei – vor allem die Wochenenden waren komplett verplant“, erzählt Annika Zeyen.

In der Zeit vor den Spielen in Rio spielt sie bei den BG Baskets in der Rollstuhl-Basketball-Bundesliga und arbeitet für das Internationale Paralympische Komitee (IPC), pendelt zwischen Hamburg und Bonn. Seit ihrem (basketballerischen) Karriereende lebt sie wieder komplett in ihrer Geburtsstadt Bonn und ist somit zurück im Bereich des Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen (BRSNW). „Doch auf Sport habe ich noch immer richtig Bock“, sagt sie. Sie entschließt sich, bei den SSF Bonn das Rennrollstuhlfahren auszuprobieren, trainiert mit den erfahrenen Rennrollstuhlfahrern Alhassane Baldé und David Scherer und Coach Alois Gmeiner – und ist direkt begeistert. „Den Rennrolli-Sport kannte ich noch nicht, das wollte ich unbedingt ausprobieren“, verrät Annika Zeyen. Ihre Voraussetzungen für diese Sportart sind hervorragend. Dank ihrer guten Ausdauer und des durch den jahrelangen Leistungssport durchtrainierten Oberkörpers stellen sich Erfolge schnell ein: nach den ersten Wettkämpfen qualifiziert sie sich gleich für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften. „Damit habe ich nicht gerechnet. Es war nicht geplant, dass daraus direkt ein Leistungssport wird“, sagt Zeyen schmunzelnd.

Der Rennrollstuhlsport ist für die 32-Jährige eine große Umstellung. „Ich bin ein Teamplayer, im Rennen ist man ganz auf sich allein gestellt. Wenn man einen schlechten Tag erwischt, dann kann einem kein Teamkollege helfen, man fährt ganz für sich. Mit einer guten Leistung kann man hier dem Team auch nicht helfen, sondern nur für sich selbst ein gutes Rennen fahren“, erläutert Zeyen. Nun steht für die Bonnerin der erste große Wettkampf bevor. Auf Siege oder Titel setzt sie nicht. In insgesamt fünf Wettbewerben (200m, 400m, 800m, 1500m und 5000m) geht Annika Zeyen bei der WM an den Start – in so vielen wie kein anderer Sportler in der deutschen Mannschaft. „Ich fahre sehr gern die 200m. Darüber habe ich mich für die WM qualifiziert. Ich erwarte nicht, dass ich in jedes Finale komme. Ich möchte gute Rennen und gute Zeiten fahren und die ein oder andere Bestleistung mit nach Hause bringen“, kündigt sie an.

In London will die 32-Jährige vor allem auch die Atmosphäre genießen. Denn schließlich ist die britische Hauptstadt der Ort ihres bislang größten sportlichen Erfolges. „London waren von insgesamt vier Spielen meine absoluten Lieblings-Paralympics. Das Publikum ist so toll mitgegangen wie sonst nirgendwo. Da freue ich mich total drauf“, erzählt sie. Fast zum Heimspiel macht die WM in London noch etwas anderes. „Mein Freund kommt aus London. Da wird seine ganze Familie im Stadion sein.“

14.07.2017 09:45 Alter: 130 Tage