Sie sind hier: Home > Neues und Wissenswertes > News > 
DeutschEnglishFrancais
21.9.2018 : 10:10 : +0200

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


Kolumne Geistreich: Unverständlich

Andreas Geist.

Heute Morgen war ich kurz bei Aldi, weil ich ein paar Kleinigkeiten brauchte. Der Einkauf war auch schnell erledigt und beim Verlassen des Ladens habe ich im Vorbeigehen eine kleine Broschüre gegriffen, mit der die Marketingstrategen des Discounters bei uns bereits jetzt die Kauflust für das kommende Osterfest wecken wollen. "Gourmet Ostern, einfach doppelt köstlich" - der Titel war schon verheißungsvoll und der Inhalt: Jede Menge Leckereien und Menüvorschläge, schön angerichtet und wirklich appetitlich in Szene gesetzt.

Zubereitet wurden die Koch- und Backrezepte laut Broschüre von Ben Donath ("Gutes Essen ist essentiell. Auch für die Seele“) und Emma Friedrichs ("Backen ist Kunst und Leidenschaft zugleich"). Die Namen haben Sie nie gehört? Ich auch nicht. Ich kannte nicht einmal die Berufsbezeichnungen der beiden. Er ist Foodblogger und sie Foodstylistin!

Ja, jetzt sind Sie baff was? Die Zeiten, in denen ein gutes Kochbuch oder Mutters Rezepte und Kochschule ausreichten, um ein schmackhaftes und festliches Ostermenü auf den Tisch zu bringen, sind passé! Man/frau veröffentlicht im Internet, was gekocht und gebacken wurde, macht schöne Fotos davon und diskutiert das Ergebnis mit der Fangemeinde. Das ist ja nicht schlecht, sicherlich erhält man dann gute Anregungen und Tipps und man muss ja nicht nur von Sterneköchen im Fernsehen lernen. Andere können auch was! Aber die Bezeichnungen - Leute ich war bei Aldi einkaufen! Koch und Konditorin fände ich passender. Und veröffentlichen können sie ihre Kreationen ja dennoch.

Aber natürlich geht es in dem Heftchen nicht nur um feste Nahrung. Zu jedem Gang des Menüs gehört der passende Wein. Etwa ein badischer Weißburgunder zum Lachs. Der Weinanbau hat im Badischen ja eine lange Tradition und es kommt so mancher gute Tropfen aus der Gegend. So offenbar auch der als trockener Spitzenwein angebotene Weiße Burgunder. Der jedoch ist wohl etwas ganz Besonderes, denn den hat kein ordinärer Winzer produziert, sondern der "Winemaker" namens Fritz Keller!!! Leider reicht meine Vorstellungskraft nicht soweit, dass ich mir bildlich vorstellen könnte, was der gute Mann auf dem Weinberg und in seinem Weinkeller anderes macht als mein Lieblingswinzer an der Mosel. Vielleicht hat er noch ein Labor mit Massenspektrometer oder so eine Art Dopinglabor und hat Tricks drauf, um Weißen Burgunder in Schneeweißen Burgunder zu verwandeln. Grauen gibt es ja bereits.

Egal, er hat ja auf jeden Fall ein berühmtes Vorbild. Denn der erste "Winemaker" war ja bekanntlich Jesus von Nazareth, der bei der Hochzeit von Kana den Gastgebern aus der Bredouille geholfen hat und Wasser zu Wein verwandelte. Nachzulesen im Johannesevangelium.

Offenbar muss man ständig etwas Neues erfinden, um den Verkauf in Gang zu halten. Aber gut, sollen sie die Winzereigenossenschaften im Badischen doch abschaffen und eine Winemaker Cooperative gründen. Hauptsache der Wein schmeckt, ist bekömmlich und erschwinglich.

So genug gelästert über die vielen Anglizismen in unserer Sprache. Aber die sind aus meiner Sicht ein absolutes No-Go, wenn es überhandnimmt!
Jetzt flitze ich noch schnell zum "Breadmaker" (früher Bäcker) und kaufe mir zwei delicious Roggenbrötchen, die ich dann fresh belegt mit Gouda-Cheese und Onions verputze. Der Kölner nennt das "Halven Hahn" - auch nicht für jeden zu verstehen.

Herzlich grüßt

Andreas Geist

05.03.2018 11:25 Alter: 200 Tage