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25.4.2018 : 23:51 : +0200

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


Kolumne Geistreich: Schlange stehen

Bei der Inspektion meiner Vorräte im Kühlschrank musste ich enttäuscht  feststellen, dass der Plan für mein Abendessen heute nicht umsetzbar sein würde. Da klafften Lücken und das Gemüsefach war leer. Eigentlich wollte ich nur einen leckeren Salat machen, mit Schafskäse, Oliven, Thunfisch, vielleicht ein bisschen Mais usw. Auf die eine oder andere Zutat kann man natürlich verzichten, aber es waren auch weder Tomaten noch Gurken im Haus.

Glücklicherweise sind es bis zum nächsten Supermarkt nur etwa 500m. Der Zeitpunkt passte hervorragend, denn Mittwochnachmittag ist es da immer leer. Die meisten Kunden warten wohl auf den Donnerstag mit ihrem Einkauf, denn da haben ja inzwischen alle Discounter und Supermärkte wieder neue Angebote. Dann wird es voll, denn alle wollen schnell zu den Ständern mit den neuen Artikeln und Schnäppchen. In der Folge bilden sich natürlich auch an den Kassen längere Schlangen. Als Rentner brauche ich mir das nicht mehr antun und kann zu Zeiten einkaufen gehen, in denen es leerer ist. Azyklisch Einkaufen nenne ich das und das hat Vorteile. Man geht in den Supermarkt, wenn die anderen nicht können oder wollen. So vertrödelt man keine kostbare Lebenszeit mit Schlange stehen und ist flott fertig. Rentner sind da sensibel, sie haben da nicht mehr so viel (Lebens-)Zeit.
Ein ungutes Gefühl, wenn man das Kleingeld passend abzählt, braucht man auch nicht haben und die Gefahr, von der Schlange hinter sich wegen der Verzögerung gelyncht zu werden, ist gleich null.

Früher war das anders. Da musste ich als Berufstätiger wie das Gros der Kunden zur Einkaufs-Rushhour durch die Märkte, oft auf dem Heimweg von der Arbeit. Das konnte stressig sein, besonders wenn man vorher schon in den Staus und Schlangen auf der Autobahn gestanden hatte. Meist hatte ich beim Warten auch das Gefühl, an der falschen Schlange anzustehen, an der es langsamer voran ging als an den anderen Kassen. Auf der Autobahn war es übrigens ähnlich!
Aber das kennen Sie wahrscheinlich selbst und der WDR hat das mit dem Anstehen an der Kasse auch einmal untersucht (LINK).
Wenn ich mit der Kasse kein Glück hatte, kam manchmal auch noch Pech dazu: Vom Ausgang her kommen Leute und wollen ihre Schnäppchen vom Morgen umtauschen, so dass die Kassiererin von zwei Seiten belagert wurde. Wie herrlich klang in solch nervigen Situationen die Computerstimme die sagt: "Liebe Kunden, wir öffnen Kasse drei für Sie" - himmlisch!

Aber das ist für mich ja Schnee von gestern, heute würde es schnell gehen. Es war tatsächlich nicht viel los im Laden und nach einem kurzen Schwenk durch die Obst- und Gemüseabteilung stand ich an der Kasse. Dumm nur, dass die Kundin vor mir nicht genügend Bargeld für ihren Einkauf dabei hatte und die PIN ihrer Kontokarte nicht wusste. So musste ein Teil der Waren wieder ausgeladen und neu abgerechnet werden. Das dauerte und die Schlange wuchs.
Sie ahnen das Ende der Geschichte. Inzwischen war die zweite Kasse aufgemacht worden und die Schlange hinter mir war bereits dort bedient worden, während ich meine Tomaten und meine Gurke immer noch nicht bezahlt hatte. Der Versuchung, die Sachen vom Band zu nehmen und die Kasse zu wechseln, habe ich widerstanden und als ich an der Reihe war mit Ruhe und Gelassenheit mein abgezähltes  Kleingeld abgegeben. Man hat ja Zeit als Rentner und Ungeduld war gestern.

Herzlich grüßt

Andreas Geist

08.01.2018 13:30 Alter: 107 Tage