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22.9.2017 : 10:00 : +0200
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Kolumne Geistreich: Kopf hoch!

Andreas Geist

Wenn Sie draußen unterwegs sind, hatten Sie auch schon einmal den Eindruck, dass es bei uns immer mehr traurige und niedergeschlagene Menschen gibt?

An Haltestellen oder auf Bahnsteigen und in Bus oder Bahn sieht man sie besonders häufig. Überall, wo man warten muss. Menschen mit gesenktem Kopf, die ihren Blick stur nach unten gerichtet halten und sich nicht für ihre Mitmenschen und ihre Umgebung interessieren. Aber auch Fußgänger, vielleicht sogar noch mit Ohrhörern gegenüber ihrer Außenwelt abgeschottet, gehören zum täglichen Straßenbild. „Kopf hoch, wird schon wieder“, möchte man ihnen zurufen und auf die Schulter klopfen. Aber hier ist der gesenkte Kopf gar nicht Ausdruck von Niedergeschlagenheit, Schmerz oder Trauer. Die daddeln mit ihrem Smartphone!

WhatsApp, Twitter, E-Mails checken, Facebook oder Internet, alles wird sofort erledigt und duldet keinen Aufschub. Sogar im Restaurant beobachtet man das. Im letzten Thailandurlaub mit meiner Frau saßen wir in einem Restaurant an einem Bilderbuchstrand. Türkisblaues Wasser, Palmen, weiße Wölkchen, wir konnten uns nicht sattsehen. Ein anderes Pärchen bestellte nach kurzem Blick auf die Speisekarte etwas, und danach hoben die beiden nicht mehr den Blick von ihren Smartphones bis das Essen kam.

Statt den Blick ins Umfeld zu richten und wahrzunehmen, was um sie herum passiert, konzentrieren sie sich voll auf ihr Display. Das führt – weniger am Strand, aber hier bei uns - immer häufiger zu gefährlichen Situationen und oft genug auch zu schweren Unfällen.

Doch es gibt eine Lösung! Bompeln!

„Klingt wie eine Spaß bringende Tätigkeit“ wird der Eine oder Andere sich denken und fragen, „Bompeln, wie geht das denn“? Es geht gar nicht, denn Bompeln (LINK) ist kein Verb, sondern ein Substantiv zusammengesetzt aus Boden und Ampel.

Im niederländischen Bodegravens sind die jetzt eingeführt worden. Lichtleisten werden in den Straßenbelag eingelassen und warnen so die „geneigten“ Fußgänger vor dem Überqueren der Straße oder von Gleisen. Als besonders gefährdet gelten übrigens junge Leute. Erfunden haben Bompeln aber nicht die Holländer, sondern bereits 2010 gab es damit schon Versuche in Frankfurt, später in Augsburg und Köln und weitere Gemeinden in Europa und sogar Australien testen Bompeln.

Ich persönlich fände ein einfaches „Kopf hoch!“ besser. Viel zu sehr verändern wir unsere Umwelt, damit diese unsere Bedürfnisse und Vorstellungen erfüllt, für uns nutzbar und profitabel ist, anstatt unser Verhalten an den Gegebenheiten der Umwelt auszurichten. Damit gehen wir irgendwann baden. Der Klimawandel und ein steigender Meeresspiegel zeigen es deutlich. Ist ein bisschen weit hergeholt, ich weiß, Sicherheit muss sein, zur Not auch mit Bompeln.

Hätte es in Frankfurt um 1845 schon Himpeln (Himmel-Ampeln, also das Gegenteil von Bompeln!) gegeben, wäre da sicher ein Unglück vermieden worden. Den Hergang beschreibt der Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann in seiner Geschichte von „Hans-guck-in-die-Luft“ im Rahmen seines Struwwelpeter-Werkes. (LINK)  Hans geht am Ende auch baden…

Also: Handy in die Tasche und Kopf hoch! Nicht bis in den Nacken, aber so, dass man seine Umwelt wahrnimmt und sich Gedanken um das machen kann, was rundherum geschieht!

Herzlich grüßt

Andreas Geist

20.03.2017 11:15 Alter: 186 Tage