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21.9.2018 : 10:00 : +0200

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


Kolumne Geistreich: Das war knapp

Andreas Geist.

Als ein dem Sport verbundener Mensch habe ich natürlich nie geraucht. Passiv hat man zu früheren Zeiten natürlich seine Qualmportion abbekommen, wenn man nicht im gesellschaftlichen Abseits stehen wollte. Da wurde auf Feten, in Lokalen und sogar Restaurants gequalmt, was das Zeug hielt. Auch bei uns zuhause wurde gequarzt. Meine Eltern und meine Brüder - irgendeiner hatte immer den Glimmstengel an und als Kind konnte man sich ja nicht gegen die Rücksichtslosigkeit der anderen wehren. Diese Zeiten haben sich ja Gott sei Dank geändert, obwohl ich neulich eine Frau gesehen habe, die in ihrem Auto gequalmt hat, obwohl hinten ein Kleinkind auf dem Kindersitz saß. Die Doofen sterben wohl nie aus.

Also mit viel Sport im Freien und wenig zuhause auf der Couch hocken, habe ich es geschafft, meine Lunge einigermaßen in Schuss zu halten und in meinen aktivsten Zeiten, in denen ich regelmäßig gerudert habe, hatte ich eine Vitalkapazität von deutlich über sechs Litern. Da bleibt einem die Luft nicht so schnell weg beim Sport, beim Treppensteigen und auch im Haushalt.

Nun habe ich, seit ich Rentner bin, keine Putzhilfe mehr, denn in der Theorie habe ich ja genügend Zeit die notwendigen Arbeiten im Haushalt selbst zu erledigen. Ich bin dabei nicht übertrieben penibel und ein leichter Grauschleier auf den Möbeln ist für mich ganz gut auszuhalten und macht mir kein schlechtes Gewissen. Im Bad bin ich da schon pingeliger. Daher hatte ich bereits den Badezimmerteppich abgesaugt und in die Waschmaschine befördert. Der Plan sah vor, als nächstes den Fliesen, dem Waschbecken, der Wanne und Dusche mit Allesreiniger neuen Glanz zu verleihen. Und natürlich muss auch der Spiegel geputzt werden, der Wasserspritzer und offenbar auch Zahnpasta magisch anzieht. Letztes mache ich der Einfachheit halber mit so einem Glasreiniger, den man nur aufsprüht und abpoliert. Das funktioniert ganz zufriedenstellend.

Als ich dann aus dem Keller kam, in dem ich die Waschmaschine bestückt hatte, gönnte ich mir vor dem großen Putzen im Bad noch einen frisch gebrühten Kaffee und schaute dabei im Internet mal nach, was so in der Welt passiert ist. Dabei stieß ich auf der Nachrichtenseite n-tv.de auf eine erschreckende Nachricht.

"Putzen ist das neue Rauchen" war der Text überschrieben, der mich augenblicklich in eine Art reinigungsmäßige Schockstarre versetzte. Forscher der Universität Bergen in Norwegen hatten eine Untersuchung zur Lungenfunktion gemacht. Dazu werteten sie die Daten von über 6000 Teilnehmern aus, die europaweit an der Erhebung mitgewirkt hatten. Die Norweger fanden heraus, dass sich tägliches Putzen genauso schädlich auf die Lunge auswirkt wie 20 Zigaretten pro Tag!

Die Ursache sahen sie in den eingeatmeten Partikeln der Putzmittel und ganz besonders übel sind die, die gesprüht werden, etwa auf den Spiegel!

12,3 Prozent der Probanden, die regelmäßig mit chemischen Putzmitteln ihre Wohnung wienern, hatten so schlechte Lungenfunktionswerte wie Raucher.

Für mich war die Sache unmittelbar klar: Hände weg vom Putzlappen!!! Da hat man Jahrzehnte versucht gesund zu bleiben und saubere Luft zu atmen und dann sowas. Wer setzt seine Gesundheut für ein frisch geputztes Badezimmer auf's Spiel?
Ich jedenfalls nicht, das war wirklich knapp. Nur der Becher Kaffee hat mich gerettet.

Statt zu schrubben kann man(n) doch besser eine Runde um den See drehen oder überlegen, worauf man Appetit hat und was man kochen könnte, zumal der Herd ja eine Ablufthaube hat.

Zwar fand sich in dem Text auch die Aussage, dass diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen nur bei professionellen weiblichen Reinigungskräften nachgewiesen seien, bei Männern hingegen nicht.

Das lag aber nur daran, dass nicht genug männliche Reinigungskräfte an der Untersuchung teilgenommen hatten. Statistik hat manchmal auch was Gutes, ich kann Putzen immer noch für gefährlich halten und auf das Nötigste beschränken.

Herzlich grüßt

Andreas Geist

P.S.: Bad und Spiegel blitzen inzwischen. Habe beim und nach dem Putzen einfach mehr gelüftet, dann kann man es riskieren...

02.04.2018 10:00 Alter: 172 Tage