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18.2.2019 : 2:56 : +0100

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


Kolumne "Geistreich": Bleibende Eindrücke

Hier erzählt unser (Un-)Ruheständler Andreas Geist über seine Eindrücke aus dem Leben eines Rentners.

Foto: Andreas Geist

Manche Beobachtungen oder Ereignisse beschäftigen mich. Das müssen nicht einmal besondere Dinge oder Erlebnisse sein, vielleicht nur etwas, das die Frage aufwirft: "Warum ist das so oder auch, weshalb macht man das"? Also etwas, was sich mir nicht sofort erschließt oder was nicht so recht in das möglicherweise etwas angestaubte Weltbild eines Rentner passen will. Halten Sie mich jetzt bitte nicht für einen senilen Spießer. Aber immer wieder taucht diese Frage bei mir auf, wenn ich tätowierte Menschen sehe. Nicht, dass ich generell etwas gegen Tattoos oder anderen Körperschmuck hätte, aber jeder sollte wissen worauf er sich einlässt, wenn er sich ein Tattoo stechen lässt. Denn es ist von Dauer und hinterlässt bleibende Erinnerungen!

Zugegeben, etwas Interessantes und Anziehendes haben Tattoos schon. Als Kinder haben wir uns Abziehbildchen auf die Haut gelegt. Die wurde zuvor mit Spucke befeuchtet, dann fünf Minuten warten und fertig war das "Tattoo", das manchmal zwei, drei Tage gehalten hat. Waschen kam halt ein bisschen zu kurz in der Zeit.
Und Popey den Seemann haben wir alle bewundert. Cool, wie er seine Herausforderungen gemeistert hat mit dem Anker-Tattoo auf dem Unterarm und der Pfeife im Mundwinkel. Damit könnte man heute nicht mehr mithalten. Ein großflächiges, mehrfarbiges Tattoo und eine Shisha müssten es schon sein, wenn man die Blicke auf sich ziehen will.

War zu meiner Jungendzeit das Tragen einer Tätowierung noch etwas Außergewöhnliches, das man mit Seeleuten, Reeperbahn und gewissen halbseidenen Typen in Verbindung brachte, ist es heute völlig normal, sich sogar Hals und Gesicht zu "verschönern". Da kommt dann wieder die Frage auf: Warum macht man das? Sind diese Menschen sich nicht einzigartig genug oder steckt eine geheimnisvolle Botschaft in dem Tattoo?

Am Strand, wo ich in diesen Tagen öfter mal im Schatten liege und Menschen beobachte, bleibt mir öfter der Mund offen stehen:  Da ist ein permanent biertrinkender Europäer. Stark übergewichtig und mit breitem Rücken. Der hat zwei Hundeköpfe auf den Schulterblättern. Links ist es wohl ehemals ein Cockerspaniel, der mit den Kilos vom vielen Bier zum Rottweiler wurde und rechts sieht es aus wie ein Boxer. Ob es mal ein Dackel war? Keine Ahnung.
Mehrfach gesichtet habe ich einen Mann mittleren Alters mit einem Widderschädel auf die Wade tätowiert. Warum macht man das? Es gibt Seiten im Netz, da kann man die Symbolik der einzelnen Motive nachlesen. Aber ob Kampfkraft, Siegeswille und Durchsetzungsvermögen steigen, wenn ich mir die Wade mit dem Schädel eines toten Tieres verziere?
Auch die berühmten "Gesäßgeweihe", die ja schon vor vielen Jahren in Mode waren, sind noch zu sehen. Manchmal riskiert da selbst einen alternden Rentner einen Blick. Es sind aber auch Versionen gesichtet worden, wo dann - wir altern ja alle - der Gedanke ans Pflegeheim aufkommt und wie hoch eigentlich so eine Inkontinenzwindel reicht.

Sie merken schon, ein Tattoo ist nichts für mich. Alles was mich sticht sind die Moskitos hier und ab und zu der Hafer. Wie meine Schwägerin auch. Der zeigte ein Schüler ein frisch gestochenes Tattoo aus chinesischen Schriftzeichen auf dem Unterarm. Sie fragte, ob er wisse, was es bedeutet. Als er die Schultern zuckte und verneinte, sagte sie "Ente süß-sauer"! Stimmte natürlich nicht, aber den Blick hätte ich gerne gesehen!!!

Nun vielleicht bin ich ja doch ein wenig zu konservativ, was solche Dinge angeht. Aber man kann da nicht vorsichtig genug sein. So wird in Amerika derzeit ein Lizenzstreit ausgetragen. Ein aufwändig tätowierter NBA-Basketballer, ob seiner Leistungen wohl eine Ikone des Sports, wird realitätsnah in einem Computerspiel dargestellt. Jetzt hat der Tätowierer die Spielentwickler verklagt, denn der Tätowierte erwirbt nur ein Nutzungsrecht an seinem Tattoo, die Urheberrechte bleiben beim "stechenden  Künstler"! Das ist kein Karnevalsscherz!!!

Also überlegen Sie genau, ob Sie ein Tattoo wollen oder nicht. Und übertreiben Sie das Feiern im Karneval nicht! Sonst geht es Ihnen wie den Räubern. "Wer hat mir die Rose auf den Hintern tätowiert"?

07.02.2019 08:29 Alter: 11 Tage