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19.4.2019 : 11:23 : +0200
Förderkonzept aktiv-dabei

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


Kolumne Geistreich: Big Data

Hier erzählt unser (Un-)Ruheständler Andreas Geist über seine Eindrücke aus dem Leben eines Rentners.

Foto: Andreas Geist

Anfang der 80er Jahre war ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ein gefragter Fachmann in Fragen der digitalen Datenverarbeitung. Ich hatte mir nämlich einen Computer angeschafft, einen Nachbau des Apple 2 Rechners, der damals revolutionär war. Eine Festplatte hatte der noch nicht, dafür zwei 5,25, Zoll Floppy-Laufwerke. Sowas haben die Jüngeren unter Ihnen wahrscheinlich nie gesehen. Quadratische, weiche Kunststoffscheiben, die als Datenspeicher dienten und auch die ausführbaren Programme beinhalteten. Auf dem Laufwerk 1 wurde das Betriebsystem C/PM geladen, dann ein Softwareprogramm, etwa Word Star oder Word Perfect und dann konnte man auf dem anderen Laufwerk seine Dateien abspeichern. Genau weiß ich es nicht mehr, aber mehr als ein MB wird es nicht gewesen sein. Internet gab es noch nicht, und wenn von Surfen die Rede war, war Windsurfen gemeint.

 

Warum ich so weit aushole fragen Sie sich gerade zu Recht. Grund ist die Flut der in den vergangenen Tagen und Wochen erhalten Mails, in denen ich dazu aufgefordert wurde, den neuen Datenschutzbestimmungen des jeweiligen Absenders zuzustimmen und mich einverstanden zu erklären, weiterhin Newsletter und/oder Werbung zugesandt zu bekommen und dass meine Daten weiterhin verwendet werden dürfen. Auch so etwas war in den 80ern noch kein Thema. Datensicherheit bestand darin, dass sichergestellt war, dass der Rechner die zuvor gespeicherten Dateien auch wieder öffnen konnte.

Doch die Möglichkeiten haben sich radikal verändert und offenbar ist die Neuregelung des Datenschutzes auf europäischer Ebene dringend notwendig. Längst haben wir (zumindest ich!) den Überblick verloren, welches Unternehmen welche Daten von mir gespeichert hat. Nicht nur das, was man selbst in Diensten wie WhatsApp, Twitter oder Facebook geschrieben hat oder welche Dokumente und Bilder man in der "Cloud" gespeichert hat. Klar ist, die großen Datensammler wissen alles über uns! Sie kennen unsere Freunde und Kontakte, wissen welche Webseiten man aufgerufen hat, welche Begriffe man in die Suchmaschinen eingegeben hat, was man bestellt oder gebucht hat, wo wir uns aufhalten und welchen Weg wir genommen haben. Unser Computer, Tabletts. Smartphones , Fitnesstracker - alle liefern unentwegt Daten über uns.
Big Data ist die gebräuchliche Bezeichnung für das Sammeln und Verarbeiten dieser unfassbaren Datenmengen. Daraus können sicherlich auch positive Erkenntnisse gewonnen werden, aber leider überwiegen die negativen Erfahrungen. Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Datenklau oder auch bewusster Verkauf an Leute, die damit Schindluder treiben. Da werden Wahlen beeinflusst (nicht nur in den USA), in dem an Leute mit einem speziellen Persönlichkeitsprofil gezielte (Falsch-?) Informationen geschickt werden. Auch sonst lässt sich so Meinungsbildung betreiben. Erinnern Sie sich an die erfundene Geschichte des russischen Mädchens Lisa, das angeblich von mehreren Migranten vergewaltigt worden war? Reine Propaganda, die sich als Fake-News viral unter Russlanddeutschen verbreitete und zu der sogar der russische Außenminister Lawrow Stellung bezog. Nutznießer war übrigens die AfD, deren ausländerfeindliche Politik dadurch Zulauf erhält.

Mir macht das Angst. Ich werde künftig mehr darauf achten, was ich von mir im Netz preisgebe. Mein Facebookkonto habe ich bereits vor Jahren stillgelegt und statt Google nutze ich öfter mal die Suchmaschine Metager, die nach Angaben der Betreiber keine Cookies setzt und kein Nutzerprofil anlegt. Außerdem werde ich mein Big Data Profil ein bisschen mit Nonsens füllen und nach Dingen suchen, die es nicht gibt. Altbierfreunde Köln zum Beispiel.

Herzlich grüßt

Andreas Geist

 

04.07.2018 16:12 Alter: 289 Tage