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26.5.2019 : 0:11 : +0200
Förderkonzept aktiv-dabei

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


Interview zum Demenz-Projekt: "Demenz gehört zum Leben"

„Was soll das?“ fragte sich Gudrun Lüpping, Vorstandsmitglied im Turn- und Handballclub (THC) Westerkappeln e.V., als sie das erste Mal vom Modellprojekt SPORT FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ hörte: „Ich fand die Startfinanzierung zu gering und konnte mir damals nicht vorstellen, wie das Ganze erfolgreich sein könnte.“ Heute ist die Übungsleiterin Rehasport begeistert mit ihrem lokalen Tandem dabei.

Zertifizierte Übungsleiter Rehasport sind Gudrun Lüpping (links) und André Heermann vom THC Westerkappeln e.V. – und begeistert vom NRW-Modellprojekt SPORT FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ.
„Bewegung für Körper, Geist und Seele“: Die festen Teilnehmer kommen alle gern und haben Freude am Sport für Menschen mit Demenz (1. v. rechts: Gudrun Lüpping, 3. v. rechts: André Heermann, mit Teilnehmerinnen und ihren Kooperationspartnern: Friedrich Schönhoff (3. von links, Haus der Diakonie, Evangelisches Perthes-Werk), Karl-Heinz Homburg (4. v. links, Förderzentrum Dialog e.V.) und Werner Schröer (4. v. rechts, THC Westerkappeln e.V.). Fotos: Karin C. Punghorst/Westfälische Nachrichten

„Das Projekt hat hier viel bewirkt. Es gab so viele gute Fortbildungen, alles kostenlos für uns und vieles maßgeschneidert nach Wunsch – für jeden Übungsleiter, für Laien und Angehörige. Und bei den großen Workshops in Duisburg gab es viele neue Kontakte, Austausch und Feedback. Das ist viel mehr, als erwartet und toll organisiert", sagt Gudrun Lüpping.

Frau Lüpping, warum nehmen Sie – trotz anfänglicher Skepsis – am NRW-Modellprojekt teil?

Gudrun Lüpping: Wir hatten gerade davon gehört, da kam das „Haus der Diakonie“ vom Evangelischen Perthes-Werk e.V. damit auf uns zu. Das wäre sowieso unser Wunschpartner gewesen – da passte einfach alles sofort. Sport für Ältere war bis dahin kein Schwerpunkt in unserer sportlichen Arbeit beim THC. Aber uns war klar: Diese Zielgruppe wächst, da wollen wir aktiver werden.

Wie haben Sie angefangen?

In unserem Übungsleiter André Heermann haben wir jemanden, der durch seine Schlaganfall- und Parkinson-Gruppen schon Erfahrung mit dem Sport für Betroffene im neurologischen Bereich hat. Das Thema Demenz war aber völlig neu für uns!

Dann haben wir uns Ärzte gesucht, die uns unterstützen – und fanden sie vor Ort, im Haus der Diakonie, und in der Gemeinschaftspraxis der Ärzte in Westerkappeln. Diese Ärzte haben großes persönliches Interesse am Thema und helfen uns sehr, indem sie uns Menschen mit einer Rehasport-Verordnung schicken. Darüber finanziert sich das Angebot.

Durch unseren guten Kontakt zur Presse hatten wir ein schönes Medienecho. Aber nicht alle Betroffenen lesen Zeitung. Deshalb ist die Mund-zu-Mund-Propaganda, zum Beispiel über die Ergotherapeuten und Logopäden des Therapiezentrums Dialog in Westerkappeln, die wirksamste Werbung für uns.

Wie sieht Ihr Angebot im Modellprojekt aus?

Seit Oktober 2014 haben wir ein stationäres Angebot für Menschen mit Demenz: Acht Teilnehmer kommen einmal die Woche im Haus der Diakonie vom Evangelischen Perthes-Werk zusammen. Sie alle sind Hausbewohner, ein Pfleger bringt sie. Sie kommen gern, freiwillig und in guter Stimmung. Wir setzen Tücher, Bälle und Stäbe ein, aber auch saisonbezogenes Alltagsmaterial wie Kastanien, Tannenzapfen, Ostereier. Das Gespräch miteinander ist genauso wichtig wie die Bewegung. Körperliche und geistige Fitness, das gehört zusammen.

Der Begriff „Sport“ wird von Laien in diesem Zusammenhang oft überbewertet. Bei vielen dieser Menschen und ihren Familien gehörte Sport nie zum Leben; jetzt, im Alter und angesichts der Demenz, ist die Hemmschwelle groß.

Unser ambulantes Sportangebot „Fit mit Bewegung“ läuft seit November 2015 mit vier Demenz-Betroffenen. Das dürfen gern mehr werden. Außerdem möchten wir den Angehörigen ein begleitendes Angebot machen, zusammen mit dem Förderzentrum Dialog. Aber noch fehlt die Resonanz.

Wie gehen Sie mit dem Begriff Demenz um?

Wir benennen die Krankheit deutlich. Wer zu uns kommt, will Klarheit. Wie sonst können wir die richtige Zielgruppe erreichen und mit genau den passenden Angeboten versorgen? Ich habe den Eindruck, das Wort Demenz verliert gerade ein wenig von seinem Schrecken und kommt in der Gesellschaft an. Demenz gehört eben zum Leben.

Weitere lokale Projekte unseres Modellprojekts "Sport für Menschen mit Demenz" finden Sie undefinedhier.

20.04.2016 09:47 Alter: 3 Jahre