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21.9.2018 : 9:56 : +0200

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


„Esport heißt zusammen aktiv sein“

In einem gemeinsamen Interview mit Schalke 04 hat der BRSNW über das Thema Esport für Menschen mit Behinderung gesprochen.

Logo: Schalke hilft
Logo: Schalke Esports
Foto (v.l.): Sebastian Buntkirchen, Lars Wiesel-Bauer, Tim Reichert

Der FC Schalke 04 tritt erstmals im BRSNW-Sportcenter auf der diesjährigen REHACARE auf, die vom 26. - 29. September 2018 in der Messe Düsseldorf stattfinden wird. Damit geht der Bundesligist in Zusammenarbeit mit dem BRSNW neue Wege und öffnet sich für ein Thema, welches bislang noch wenig Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden hat: Esport für Menschen mit Behinderung. Die Stiftung Schalke hilft! präsentiert sich gemeinsam mit Schalke Esports im Sportcenter an einem Stand, an dem Menschen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit haben, aktiv an der Spielekonsole zu werden.

Im Vorfeld der Messe kamen die drei Partner zusammen und haben sich für ein gemeinsames Interview in der VELTINS-Arena auf Schalke getroffen. Mit dabei waren Sebastian Buntkirchen (SB), Geschäftsführer von Schalke hilft!, Tim Reichert (TR), Chief Gaming Officer Schalke Esports und Lars Wiesel-Bauer(LWB), Geschäftsführer des BRSNW.

„Schalke hilft“ wird gemeinsam mit Schalke Esports im BRSNW-Sportcenter auf der REHACARE 2018 vertreten sein. Wer oder was ist eigentlich Schalke hilft!? Welche Ziele verfolgt Schalke hilft!?

SB: Schalke hilft! ist die Stiftung des FC Schalke 04. Unter dem Dach unseres Vereins bündeln wir das soziale und gesellschaftliche Engagement rund um die Stadt Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet. Viele Menschen empfinden eine gewisse Form der Perspektivlosigkeit, ausgelöst von Arbeitslosigkeit und Alltagsproblemen. Für sie ist Schalke 04 meist einer der wenigen Lichtblicke in ihrem Leben. Aus diesem Grund war es uns wichtig, eine Stiftung ins Leben zu rufen, die das Ziel verfolgt, die Lebensumstände der Menschen hier vor Ort zu verbessern. Wir möchten neue Bildungsperspektiven bieten, aber auch den Aspekt der Teilhabe in den Fokus unseres Engagements stellen. Unser Ziel ist es, allen Menschen die Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen in finanzieller Not – jeder Mensch soll ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sein.

Welche Projekte hat Schalke hilft! für Menschen mit Behinderung?

SB: Das sind vor allem Sportprojekte. Seit einigen Jahren hat der Verein eine eigene Blindenfußballmannschaft, die in der Blindenfußball-Bundesliga spielt. Zusätzlich arbeiten wir mit Förderschulen in Gelsenkirchen zusammen und geben Kindern und Jugendlichen mit Förderungsbedarf die Möglichkeit, einmal in der Woche unter Leitung von professionellen Trainern auf unserem Vereinsgelände Fußball zu spielen. Ein aktuelles Projekt befasst sich zudem mit der Fanbetreuung von Menschen mit Behinderung. Hier geht es beispielsweise um Fragen der Barrierefreiheit im Stadion. Des Weiteren berichten unsere Blindenfußballreporter live von den Spieltagen.

Ein weiteres spannendes Projekt entstand in Kooperation mit den Behindertenwerkstätten in Gelsenkirchen. Dort haben Menschen mit Behinderung aus alten Schalke Trikots sehenswerte Turnbeutel hergestellt, die für einen guten Zweck verkauft wurden.

Wie nehmen die Menschen mit Behinderung das Engagement von Schalke hilft! wahr?

SB: Wir spüren einen großen Zuspruch, in dem was wir tun. Die Menschen empfinden eine unglaubliche Freude bei allen Aktivitäten rund um Schalke 04. Das Lächeln jeder einzelnen Person ist für uns als Verein die größte Wertschätzung.

Welche Möglichkeiten der Teilhabe von Menschen mit Behinderung sind aus Ihrer Sicht in einem professionellen Sportverein umsetzbar und wo sehen Sie noch Optimierungspotential?

SB: Wir sehen uns nicht als Experten im Sport für Menschen mit Behinderung. Gerade deswegen ist ein Austausch mit dem BRSWN für uns interessant, um uns weiter zu verbessern. Wir sprechen über eine spezifische Zielgruppe, die ähnlich zu Randsportarten mit Problemen der Nachwuchsarbeit und des ehrenamtlichen Engagements zu kämpfen hat, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Das ist auf jeden Fall für die Zukunft eine Herausforderung. Wir hinterfragen, uns regelmäßig selbst, um die Wirkung unserer Projekte auf die Beteiligten zu analysieren, mit dem Ziel weitere Mehrwerte für die Menschen zu schaffen.

Betrachten wir nun das Thema Esport.

Vorneweg gefragt: Was ist eigentlich Esport und wie kann man das Thema Esport kurz und knapp erläutern? Seit wann hat sich Schalke das Thema auf seine Fahne geschrieben?

TR: Esport ist elektronischer Sport. Es handelt sich um eine junge Sportart, die sich in einigen Bereichen von dem klassischen Sport unterscheidet, in vielerlei Hinsicht aber Gemeinsamkeiten aufweist. Im Vergleich mit dem klassischen Sport setzt der Esport häufig andere Fähigkeiten bei den Athletinnen und Athleten voraus. Der sportliche Wettstreit wird großgeschrieben. Wie traditionellere Sportarten begeistert auch der Esport regelmäßig ein Millionenpublikum.

Als einer der ersten Fußballvereine überhaupt erkannte der FC Schalke 04 die einzigartige Chance, die der Esport bietet und begann daher im Mai 2016 damit, eine eigene Esport-Abteilung aufzubauen. Inzwischen sind wir in League of Legends, PES und FIFA vertreten. Mit einem langlebigen und nachhaltigen Engagement wollten wir auch die Ernsthaftigkeit unterstreichen, mit der wir Esport auf Schalke betreiben.

Welche Ziele verfolgt Schalke 04 im Bereich Esport? Wieso ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass Vereine neue Wege gehen und sich neuen Modellen öffnen? Ist Esport als Konkurrenz zu klassischen Sportarten zu betrachten?

TR: Für uns geht es ganz klar um die Interaktion. Der Esport wird den klassischen Sport nicht ablösen, vielmehr ist er eine Ergänzung dessen sowie eine Reaktion auf digitale Veränderungen. Die Chancen, die Esport bietet, sind einzigartig.

Demnach betrachten wir den Esport nicht als Konkurrent traditioneller Sportarten. Es geht nicht darum, Kinder und Jugendliche zu motivieren, stundenlang Computerspiele zu spielen Wir legen großen Wert auf einen  geregelten Tagesablauf von Kindern und Jugendlichen – auch unsere Spieler werden von uns dahingehend unterstützt Neben der schulischen Entwicklung finden wir die körperliche Aktivität - beispielsweise durch das Fußballspielen am Nachmittag – immens wichtig. Esport sehen wir eher als Alternative zum Fernsehen. Im Esport haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, gemeinsam mit Freunden aktiv zu sein. Es ist eine hochgradig soziale Sportart verknüpft mit dem Wettkampfcharakter.

Neben Sportsimulationen dominieren also vor allem Strategiespiele wie League of Legends, wo der FC Schalke 04 erstmals in der Endrunde der European League of Legends Championship Series, der höchsten Spielklasse Europas, steht. Warum ist das so?

TR: Völlig richtig. Zunächst einmal war es uns wichtig, zu begreifen, welche Spiele und welche Wettkämpfe für junge Menschen im Esport-Bereich interessant sind. Das ist vor allem League of Legends. Das Spiel genießt sowohl bei Spielerinnen und Spielern als auch bei Zuschauerinnen und Zuschauern weltweit große Anerkennung.

Mitreißende Spielszenen und frenetische Kommentatoren, ausverkaufte Stadien und leidenschaftliche Fans, die ihr Team mit Begeisterung unterstützen – League of Legends ist eine eigene Welt, die fernab des Fußballs existiert.

Die Diskussionen um Gewaltspiele ist eine vielgeführte. Wie steht Schalke zu den sogenannten First-Person-Shooter?

TR: Wir distanzieren uns von jeglicher Form von Gewalt. Computer- oder Videospiele, in denen Gewalt sind mit den Werten des FC Schalke 04 nicht vereinbar. Unser Fokus liegt aktuell auf League of Legends, Pro Evolution Soccer und FIFA.

„Schalke hilft!“ will die Lebensumstände der Menschen verbessern und Menschen mit Behinderung, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Die Esport-Abteilung steht symbolisch für die digitale Entwicklung und eine neue Facette im Sport.

Wo findet sich der BRSNW hier wieder, wenn man beide Bereiche kombiniert? Welchen Aspekt stellt der BRSNW beim Esport in den Vordergrund?

LWB: Gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe am Leben ist der Aspekt, den wir uns als Verband auf die Fahne geschrieben haben. Wir glauben, dass Esport ein Teilaspekt sein kann, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderung die Teilhabe an gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. In virtuellen Spielen ist die Beeinträchtigung von Menschen nicht sichtbar, es geht einzig um den Wettkampf, die Aktivität und das Können. Eine möglicherweise als Defizit wahrgenommene Beeinträchtigung spielt keine Rolle. Das finden wir spannend.

Welche zusätzlichen Möglichkeiten bietet Esport für Menschen mit Behinderung?

LWB: Neben der aktiven Teilnahme an Bewegung-, Spiel und Sportangeboten, kann Esport eine weitere Facette bilden, um Menschen mit Behinderung mit all ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten, Teilhabe zu ermöglichen. Es bietet die Chance, sich einzubinden und nicht nur einem Spiel zuzuschauen, sondern ein Teil des Gesamtvereins als aktiver Spieler zu sein. Das ist sicherlich noch einmal eine zusätzliche Motivation! Zudem schafft Esport aus unserer Sicht eine weitere Möglichkeit der Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung. Solche Möglichkeiten müssen wir nutzen und ausbauen, da dies die Möglichkeit bietet Bewusstsein zu schaffen. Dazu brauchen wir starke Partner wie den FC Schalke 04, der durch sein soziales Engagement und den verantwortungsvollen Umgang damit wichtige Signale in die Gesellschaft senden kann.

Gibt es bislang übergreifende Projekte zwischen Schalke hilft! und Schalke Esports, die Menschen mit Behinderung in den Vordergrund stellen?

SB: Natürlich gab es bislang an der ein oder anderen Stellen Schnittmengen, allerdings haben wir bisher noch keine konkreten Projekte forciert. Die Zusammenarbeit im Rahmen des BRSNW-Sportcenter sehen wir daher als Pilotprojekt für künftige Projekte, die Esport und Menschen mit Behinderung verbinden.

Blicken wir zum Abschluss noch auf den Auftritt auf der REHACARE im BRSNW-Sportcenter.

Was kann man von dem erstmaligen Auftritt von Schalke 04 im Sportcenter des BRSNW auf der REHACARE erwarten? Auf was können sich Besucherinnen und Besucher am Stand von Schalke freuen?

SB: Esport ist ein wichtiger Teil von Schalke 04. Wir möchten das Angebot daher so vielfältig aufstellen, dass keine Zielgruppen ausgeschlossen werden. Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass auch Menschen mit Behinderung Zugang zu diesem Thema haben und sich engagieren können. Nur so können auch zukünftig Mehrwerte entstehen.

TR: Am Stand wollen wir die eigentliche Aktion, das Spielen an der Konsole, in den Vordergrund rücken. Wir wollen uns präsentieren und die Möglichkeiten aufzeigen, die Esport auch für Menschen mit Behinderung bietet.

Was verspricht sich der BRSNW vom Auftritt von Schalke 04?

LWB: Wir sind immer offen für alle Aktivitäten, die die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderung in den Vordergrund stellen. Natürlich könnten wir auch Bildschirme und Konsolen aufstellen und einfach loslegen. Uns ist allerdings wichtig, Schalke 04 als Gesamtverein und seinem verantwortlichen sozialen Engagement mitzunehmen. Das Thema Esport für Menschen mit Behinderung kann eine riesige Signalwirkung aufgrund der unglaublichen Stahlkraft des Vereins auslösen.

Beim Blick auf den Stand von Schalke 04 - Was geben Sie den Besucherinnen und Besuchern mit auf den Weg?

LWB: „Habt Spaß, seid aktiv und neugierig!“ Wir wollen, dass Menschen mit und ohne Behinderung die neue Form des Aktivseins ausprobieren und Bewegung, Spiel und Sport in allen Facetten entdecken.

Blicken wir schließlich noch in die Zukunft. Welche Chancen bietet der Esport langfristig für Menschen mit Behinderung?

TR: Ich bin davon überzeugt, dass auch Menschen mit Behinderung im absoluten Spitzensport Esport mithalten können. Genauso glaube ich, dass der Breitensport für den Esport ein künftiges Feld sein kann und versteckte Potentiale birgt. Bis dahin ist es natürlich noch ein weiter Weg. Technische Voraussetzungen, Ehrenamtler, mehr Offenheit – all das wird noch benötigt, um den Esport größer und breiter aufzustellen und als starke Ergänzung zum klassischen Sport nach außen zu transportieren.

LWB: Esport bietet gerade für Menschen mit Behinderung große Chancen, insbesondere wenn Vereine wie Schalke 04 vorneweg gehen. Allerdings stimme ich zu, dass die Entwicklung seine Zeit bedarf und man realistisch bleiben sollte. So hat auch der Blindenfußball seine Zeit gebraucht, um sich in Vereinen zu etablieren und ist längst noch nicht am Ende der Entwicklung.

SB: Das sehe ich genauso. Das ist ein Entwicklungsprozess, den wir gerne begleiten. Ähnlich wie mit den Anfängen des Blindenfußballs. Teilhabe ermöglichen und für Neuerungen offen sein – das ist die Grundlage für eine positive Entwicklung für Menschen mit Behinderung im Esport.

14.09.2018 12:30 Alter: 7 Tage