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18.2.2019 : 3:11 : +0100

#Beim Sport gelernt

Der BRSNW unterstützt die Kampagne "Beim Sport gelernt" des LSB und WestLotto.


1. ID-Judo Europameisterschaft in London

Nicht einmal ein Jahr nach der ersten und überaus erfolgreichen Weltmeisterschaft im G-Judo 2017 in Köln, folgten vom 22. – 24. August 2018 in London die 1. G-Judo Europameisterschaft.

Foto: Wolfgang Janko
Foto: Wolfgang Janko
Foto: Wolfgang Janko

Wie bei der ersten Weltmeisterschaft auch, legte der Weltverband für den Sport der Geistigbehinderten (INAS) die Kriterien fest, nach denen die Athleten in London an den Start gehen konnten. Voraussetzung war, dass alle Teilnehmer in ihren Heimatländern von den zuständigen nationalen Qualifizierungskoordinatoren begutachtet wurden, um die erhobenen Daten dann an INAS weiterleiten. Nur wer von der INAS auf die Startliste registriert wurde (Master-Liste), durfte bei der EM in London starten. Daher erklärt sich auch die relativ geringe Teilnehmerzahl. Im Gegensatz zu Deutschland, gab es in vielen Ländern große Probleme mit der INAS-Registrierung.

Für unsere Sportler war der unermüdliche Einsatz von Frau Winnie Timans vom Deutschen Behindertensportverband eine große Hilfe bei der teilweise komplizierten Registrierung, so dass wir mehr als ein Drittel der Teilnehmer stellen konnten. Allerdings liegt der Vorteil des Verfahrens darin, dass bei zukünftigen Welt- und Europameisterschaften kein neues Prüfverfahren erforderlich ist . 

Am Dienstag, 21. August ging es bereits um 7 Uhr morgens von Leverkusen los. 18 ID-Judoka aus NRW, begleitet von Trainern, Betreuern und einigen Eltern, nahmen die strapaziöse Busfahrt nach London auf sich. Wider erwarten gab es jedoch nur wenige Staus, so dass auch die Fähre von Dünnkirchen nach Dover pünktlich erreicht werden konnte. Etwas schwieriger  gestaltete sich die Anfahrt zum Austragungsort der Europameisterschaft, der Universität Ost (UEL), die aber dann doch gegen 18.00 Uhr  erreicht werden konnte. Alle Sportler waren auf dem Universitätsgelände in Einzelzimmern untergebracht. So konnten sowohl die Wettkampfstätte als auch die Mensa ohne Probleme fußläufig erreicht werden.   Beim ersten Abendessen trafen wir auf die für uns sehr gewöhnungsbedürftige englische Küche, die uns nun fast eine Woche begleitete.   Am ersten Tag wurde das Wiegen durchgeführt. Da eine kleine Toleranz bei den Gewichten erlaubt war, konnte hier sehr schnell Entwarnung gegeben werden. Alle Judoka konnten ihr Gewicht kontrollieren und auf die Waage bringen. Für manche hieß es danach erst einmal kräftig Mittagessen.

Für den Nachmittag war das verpflichtende Divisioning für alle Teilnehmer angesagt. Da die ID-Europameisterschaft in zwei Wettkampfklassen durchgeführt wurde, mussten die gemeldeten Wettkampfklassen für die Judoka bei einem intensiven Training überprüft werden. Die meisten Starter konnten klar den Wettkampfklassen 1 oder  2 zugeordnet werden. Allerdings gab es eine kleine Schnittmenge, bei der dies nicht eindeutig möglich ist. Genau für diese Gruppe benötigen wie das Divisioning, um faire Wettkämpfe für alle Teilnehmer zu ermöglich.  

Am Donnerstagmorgen startete die Europameisterschaft mit den Kämpfen der Wettkampfklasse 2. Hier gingen sechs Athleten aus NRW an den Start, die sich großartige Kämpfe mit ihren internationalen Gegnern lieferten. Mit Bastian Wind (Hünxe) bis 100 kg  und Phil Taraschinski (Hamm) über 100 kg konnten sogar zwei Europameister gestellt werden. Fast  wäre noch eine dritte Goldmedaille hinzugekommen, denn Victor Gdowczok (Köln) bis 81 kg sah schon fast wie der sichere Sieger aus, musste dann aber doch noch eine Niederlage hinnehmen, so dass am Ende „nur“ der 2. Platz blieb, wie bei Valentin Freitag (Leverkusen) bis 66 kg. Zwei Bronzemedaillen gab es noch für Ben Musaeus (Hückeswagen) bis 73 kg und Victoria Breidenstein (Essen) bis 70 kg.   Einen Tag später folgten die Kämpfe der Wettkampfklasse 1. Hier zeigte sich die enorme Entwicklung, die das ID-Judo in den letzten Jahren auch international genommen hat. Einige ID-Judoka könnten vermutlich auch bei nationalen Meisterschaften mitkämpfen. In der Klasse bis 52 kg hatten wir mit einem Sieg unserer Weltmeisterin Michaela Stutz (Dülmen) gerechnet, und Michaela enttäuschte uns hier nicht. Souverän gewann sie alle ihre Kämpfe vorzeitig und wurde damit amtierende Welt- und Europameisterin. Stephanie Knopp (Leverkusen) konnte in der gleichen Klasse Bronze gewinnen. Einen zweiten Titel erkämpfte sich Andrea Kuhne (Bocholt) in der Klasse über 78 kg. Gegen ihre ca. 50 kg schwerere russische Finalgegnerin griff Andrea immer wieder mutig, aber auch  überlegt, an und war so am Ende die verdiente Siegerin. Dem wollte Vereinskollege Marc Weidmann (Bocholt) nicht nachstehen. Marc war in seiner Schwergewichtsklasse absolut souverän, konnte alle Kämpfe vorzeitig gewinnen und überlegen den Europameistertitel gewinnen. Wolfgang Trost (Leverkusen) schaffte in dieser Gewichtsklasse die Bronzemedaille. Jasmin Siebelitz und Timo Karmasch (beide Hünxe)  hatten das Pech, eine Gewichtsklasse höher starten zu müssen. Gegen schwerere Gegner war es nicht leicht, dennoch konnten beide am Ende die Silbermedaillen gewinnen, genauso wie Andreas Gramsch (Hünxe) bis 60 kg, Patrick Barendonk (Bocholt) bis 66 kg und Andre Conen (Leverkusen) bis 73 kg. Weitere Bronzemedaillen gewannen Carina Niemeyer (Dülmen) bis 70 kg und Wolfgang Trost (Leverkusen) plus 100 kg. Einzig Christian Brieler (Hamm) blieb in London ohne Medaille. In der am stärksten besetzten 81 kg-Klasse zeigte Christian immer wieder tolles Angriffs-Judo, konnte am Ende auch einen 5. Platz erringen, verpasste aber die Medaille denkbar knapp.   Einen Tag nach den Europameisterschaften nahmen die NRW-ID-Judoka noch an den British-Open teil, die mit 140 Teilnehmern zahlenmäßig sehr viel stärker besetzt war.

Für den größten Teil unserer Athleten war es nicht ganz leicht, sich nach dem Riesen-Event der Europameisterschaft noch einmal zu motivieren, zumal sich die Organisation der Kämpfe an diesem Tag sehr zähflüssig gestaltete.  Dennoch konnten Michaela Stutz und Andrea Kuhne ihre Erfolge vom Vortag noch einmal wiederholen und auch Jasmin Siebelitz siegte souverän in der jetzt gewichtsmäßig korrekten 63 kg-Klasse. Am Ende  konnte NRW- Trainer Frank Schuhknecht für seine Schützlinge ein erfolgreiches Resümee ziehen. Die zweitägigen ID-Europameisterschaften waren hervorragend organisiert und liefen ohne Fehler und Pannen ab. Ein Lob auch für die zahlreichen internationalen Kampfrichter. Während der gesamten Veranstaltung gab es nicht einen Protest gegen eine Wertung oder Entscheidung.  

Fünf Titelgewinne, davon vier in der Wettkampfklasse 1, zeigen, dass die NRW-Judoka auf einem guten Weg sind und  bei internationalen ID-Meisterschaften vorne mitkämpfen zu können.   Nach fünf Tagen London, bei denen alle Athleten einen Tag Zeit fanden, die City zu besuchen, ging es mit Bus und Fähre wieder zurück nach Leverkusen, das gegen 21:30 Uhr am Sonntag Abend erreicht wurde.

29.08.2018 16:11 Alter: 173 Tage