Sportliche Lichtblicke 2020: WM-Medaillen und Weltrekorde

Im Sportjahr 2020 haben die deutschen Para Athlet*innen erneute Höchstleistungen erbracht. So sorgten Weltrekorde in der Para Leichtathletik und im Para Schwimmen sowie zahlreiche Medaillen bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften für Highlights in einem weitestgehend von Corona überschatteten Jahr.

© Mika Volkmann

Weltrekorde im Weitsprung und Kugelstoßen

In der Para Leichtathletik gab es in diesem Jahr gleich zwei Mal Grund zum Staunen – sowohl in der Weitsprunggrube als auch beim Kugelstoßen. Als erster oberschenkelamputierter Weitspringer hat Léon Schäfer beim Para Leichtathletik Heimspiel in Leverkusen die Sieben-Meter-Marke übersprungen. Der 23-Jährige erreichte eine sensationelle Weite von 7,24 Meter und verbesserte seinen Weltrekord damit um 25 Zentimeter. „Hier zu Hause ist es immer am schönsten. Ich wusste, dass ich es in mir habe“, sagte Schäfer im August. Und obwohl er gerade erst seinen Weltrekord verbessert hatte, zeigte er sich weiter angriffslustig für die Zukunft: „Mit der Weite - ich glaube, da geht noch was.“

Bereits früher im Jahr machte Para Kugelstoßer Niko Kappel mit einem offiziellen Weltrekord auf sich aufmerksam. Der Paralympics-Sieger von 2016 und Weltmeister von 2017 stieß dabei eine Weite von 14,30 Metern. Zwei Wochen zuvor hatte der 25-Jährige sogar zehn Zentimeter weiter gestoßen, allerdings wurde diese Weite aufgrund der kurzfristigen Ansetzung des Wettkampfs nicht als Weltrekord anerkannt. „Ich bin mega glücklich, dass ich es jetzt geschafft habe. Es lief wieder alles unglaublich gut, mein Knie hat super mitgemacht und ich habe mich einfach gut gefühlt. So kann es weitergehen“, freute sich der Paralympics-Sieger im Sommer. Seinen diesjährigen Erfolg feierte Kappel noch im Trikot des VfL Sindelfingen. Künftig wird er sportlich für die Leichtathletikabteilung des VfB Stuttgart 1893 e.V. im Einsatz sein und den Club als Repräsentant und Botschafter unterstützen.

Para Schwimmerinnen mit Ausrufezeichen bei IDM

Auch im Para Schwimmen gab es in diesem Jahr weltweite Bestmarken zu vermelden – bei der IDM Para Schwimmen im Oktober. Gina Böttcher hatte dabei gleich zwei Mal Grund zum Jubeln. Über 200 Meter Lagen schwamm die 19-Jährige vom SC Potsdam mit 4:12,89 Minuten schon im Vorlauf des letzten von vier Wettkampftagen in Berlin so schnell wie noch nie zuvor in ihrer Startklasse SM4. Im Finale steigerte sie sich nochmals deutlich und schlug nach 4:08,80 Minuten an – erneuter Weltrekord. „Das fühlt sich sehr gut an. Ich hatte mir den Weltrekord als Ziel gesetzt und bin sehr froh, dass ich es gleich zweimal geschafft habe“, erklärte Böttcher damals.

Für einen weiteren Weltrekord bei der IDM hatte Elena Krawzow gesorgt. Über 50 Meter Brust stellte die sehbehinderte 26-Jährige vom Berliner Schwimmteam in 34,10 Sekunden eine internationale Bestzeit in der Startklasse S12 auf. Dabei wurde Krawzow im Sommer noch an der Schulter operiert und fiel einige Wochen aus. „Wir sind sehr überrascht und haben nicht damit gerechnet“, erklärte Krawzows Trainer Phillip Semechin. „Wichtiger als der Weltrekord ist aber, dass Elena ihr Comeback nach der Schulterverletzung geglückt ist und wir jetzt sehr optimistisch auf die Paralympics 2021 schauen können.“ Krawzow fügte hinzu: „Es ist einfach toll zu wissen, dass ich jetzt schon auf so einem Niveau bin.“

Deutsche feierten Medaillen bei Bahnrad-WM

Neben Weltrekorden in der Leichtathletik und beim Schwimmen gab es bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften im kanadischen Milton zu Beginn des Jahres auch WM-Medaillen für deutsche Para Athlet*innen zu feiern.

Bei ihrem Debüt auf der Bahn gewann Maike Hausberger in der Klasse C2 Silber im Mehrkampf-Wettbewerb und im Scratch-Rennen sowie Bronze in der Verfolgung über 3000 Meter. Bereits bei der WM 2019 hatte sie nach ihren Wechseln von der Para Leichtathletik über den Para Triathlon hin zum Para Radsport mit Gold im Straßenrennen für Furore gesorgt. Nun freute sie sich über die nächsten WM-Erfolge in der neuen Sportart. Trotz einer schmerzhaften Entzündung am Stumpf des amputierten Beins hat auch Denise Schindler mit Doppel-Bronze einmal mehr WM-Medaillen eingefahren. „Die Bronzemedaillen fühlen sich nach dem Auf und Ab in den vergangenen Wochen wie Gold an. Ich bin einfach nur happy“, sagte die inzwischen 35-Jährige vom BPRSV Cottbus kurz nach ihrem hart erkämpften Erfolg. Ebenfalls auf Platz drei raste das Tandem mit Pilot Robert Förstemann und dem sehbehinderten Kai Kruse im Zeitfahren über 1000 Meter. Olympia-Bronzemedaillengewinner Robert Förstemann zeigte sich nach dem Rennen begeistert von seinem ersten Edelmetall im Para Sport: „Wir sind superglücklich und stolz. Es ist meine erste Medaille im Para Radsport und es fühlt sich so gut an. Zu zweit eine Medaille zu gewinnen, macht einfach noch mehr Spaß als allein.“

Auch die vielen weiteren positiven Ergebnisse deutscher Para Athlet*innen lassen zuversichtlich in das kommende Paralympics-Jahr 2021 blicken, in dem hoffentlich zahlreiche Sportgeschichten geschrieben werden können.

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