Kolumne "Geistreich": Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß

Hier erzählt unser (Un-)Ruheständler Andreas Geist über seine Eindrücke aus dem Leben eines Rentners.

© Geist, BRSNW

In einer meiner letzten Kolumnen waren Sprichworte und Redewendungen ein Thema. Beim Stöbern im Netz stieß ich nun auf ein Phänomen, das ich mit dem Sprichwort " Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß" assoziierte. Ich will es erklären. Stellen Sie sich Folgendes vor:
Sie machen an einem schönen Ort Urlaub. Das muss nichts Exotisches sein, sagen wir die deutsche Ostseeküste. Ein kleiner, ruhiger Ort mit einem schönen und nicht überlaufenen Strand. Das Wetter ist gut, die Luft frisch, Sie legen sich zufrieden in Ihrem Strandkorb zurück und könnten eigentlich das Leben in vollen Zügen genießen...
Doch dann kommen Zweifel. Wäre es vielleicht in Italien oder auf den Kanaren noch schöner gewesen? Oder hätten Sie sich besser - statt an die Ostsee zu fahren - der Klicke angeschlossen und wären mit zum Ballermann geflogen? Was die da jetzt wohl für tolle Fiestas feiern mit Sonne, Sangria und gut gebauten Menschen in Badekleidung! Und Sie sitzen an der Ostsee im Strandkorb! Nichts da außer Kiesel, Sand, Möwen und übergewichtigen Senioren.
Da muss man doch gleich erst einmal die Statusabfrage bei WhatsApp aktivieren oder bei Facebook und Twitter nachsehen, was die Anderen so posten und was man gerade verpasst.
Wenn Sie etwas Ähnliches von sich kennen, dann ist die Diagnose eindeutig: Sie haben eine Fomo entwickelt! Das ist die Abkürzung für "Fear Of Missing Out", die Sorge, irgendwo nicht dazu zu gehören, etwas Tolles zu verpassen oder woanders könnte es besser sein als da, wo man selbst gerade ist.

Fomo ist in der Smartphone-Generation deutlich stärker verbreitet als bei uns Älteren. Immer und fast überall hat man Zugriff auf die Netzwelt und die sozialen Medien. Bestimmt haben Sie auch schon einmal eine Gruppe junger Leute beobachtet, die statt miteinander zu reden oder etwas zu erleben, alle auf ihre Handys gucken und Nachrichten an andere Personen schreiben. Fomo!
Eigentlich finde ich die Möglichkeiten, die die moderne Technik bietet grandios. Etwa für Menschen mit Behinderung oder Senioren, die darüber mit einem deutlich größeren Kreis an Personen in Kontakt bleiben und sich austauschen können, auch wenn die Mobilität und Möglichkeit zur Teilhabe eingeschränkt ist. Die Technik wird aber zum Fluch, wenn man vergisst, im Hier und Jetzt zu leben und das bewusst wahrzunehmen und zu genießen, was gerade im eigenen Umfeld aktuell ist.
Da drängt sich eine weitere Assoziation auf. Vielleicht auch wegen der Ähnlichkeit des Namens zu "Fomo".
Momo, die Hauptfigur im Roman von Michael Ende bringt den Menschen die von den grauen Herren gestohlene Zeit zurück. Die grauen Agenten der „Zeitsparkasse“ hatten die Menschen dazu gebracht Zeit zu sparen. Diese würde sicher aufbewahrt, verzinst und später zurückgezahlt. Man ahnt es, auch wenn man die Geschichte nicht kennt: Die Menschen wurden betrogen. Während das Zeitsparen ihr Handeln bestimmte haben sie vergessen, das aktuell Schöne und Gute im Leben zu genießen.

Es gibt immer irgendwo auf der Welt etwas, das noch spektakulärer, interessanter, größer, schöner, moderner und teurer ist. Und dass wir das erfahren und einen Wunsch danach entwickeln, dafür sorgt die Werbebranche. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit.
Aber führt das nicht nur zur Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben?
"Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß" - oder neidisch oder unglücklich, könnte ein gutes Motto sein, um sich dem zu entziehen.
Lieber das, was im Augenblick an Positivem um einen herum gegeben, ist genießen. Gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit gibt es so viele Momente, in denen man sich entspannt im Sessel (Strandkorb ist derzeit out) zurücklehnen und den Moment genießen kann.

Obwohl, ich könnte gleich mal nachschauen, ob mein alter Freund aus Studienzeiten wieder neue Bilder von der Safari in Namibia gepostet hat. Da wollte ich schon immer mal hin. Big Five, und hier gibt es nur zu süßen Glühwein und Regen...

Ich wünsche Ihnen allen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit, Gesundheit und Zufriedenheit und für das kommende Jahr alles erdenklich Gute!


Herzlich grüßt

Andreas Geist

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